Imaginärer Blumenstrauß
Ich möchte dir gern Blumen schenken,
aber sie waren zu schön
zu zerbrechlich
zu unversehrt,
um sie zu pflücken
Deshalb komm spazieren mit mir
und ich zeige dir
all die Farbenpracht,
die mich an dich erinnert hat
Es sind keine Rosen in unserem imaginären Strauß,
denn sie sind zwar schön,
aber zu elegant-elitär
Du dagegen bist ein Meer aus Wildblumen
Ein Blütenmeer
Gefunden, unerwartet, am Wegesrand
in tausend Farben, mit denen man nie gerechnet hat
Wenn der Sommer langsam kommt, finde ich dich
in tiefmohnroten Feldern
Pures Leben, kondensiert
Nicht einzufangen, auszudrücken
Niemals konserviert
Klatschmohntraum
besprenkelt mit feinem Pinsel
aus Kornblumenblau
Später im Jahr werden hier Sonnenblumen stehen
und, paradox genug, dir genauso ähnlich sehen
Doch komm, hier biegen wir nochmal ab
Siehst du den Vergissmeinnicht?
Er ist so blau wie die Vorstellung,
dass auch du mich eines Tages vergisst
Er ist wie ein Traum auf einer Wiese im Wald
Klein, fast unscheinbar, eine stille Gewalt
Weiter auf unserem Weg wartet
still, geduldig, hundertfach: Wegwarte
So wie sie hoffe auch ich,
dass du einst auf mich wartest,
wenn das Leben mal wieder zu schnell für mich ist
Denn wenn du die Blüte bist,
bin ich die Grashalme, die sich um sie herum im Abendlicht wiegen
Ganz hübsch anzusehen, aber nicht zu viel mehr zu bewegen
Versprich mir, dass wir herbstzeitlos sind
und bleiben
Am Weg warten,
auch wenn er wie dieser Abend zu Ende geht
Du auf mich, ich auf dich -
Und noch etwas
Bitte
Vergissmeinnicht

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