ItaLIA #14: Später als spät oder: Das war meine Version von "Bella Italia" oder: Ende
Ich weiß, ich weiß, ich weiß.
Ich bin so was von spät dran. Ich bin inzwischen seit 3 Monaten und 1 Tag wieder zurück in Deutschland, mein deutscher Alltag hat mich längst fest im Griff, und bisher habe ich es nicht geschafft, meinen letzten Reisebericht zu schreiben und mein Projekt ItaLIA somit auch gedanklich und hier in meiner kleinen Internet-Ecke abzuschließen.
Shame on me.
Prokrastination nennt man das. Und Verzögerungstaktik auch. Vielleicht habe ich einfach ein bisschen Zeit gebraucht, meine Gedanken zu sortieren. Außerdem hat mich inzwischen meine Bachelor-Arbeit ereilt. Noch ein Grund und somit eine Ausrede mehr.
Aber genug der Rechtfertigung. Ich habe einiges nachzuholen. Natürlich ist dieser Bericht alles andere als eine unmittelbare Erinnerung. Das Ganze ist inzwischen für mich schon in eine gewisse Ferne gerückt und natürlich nicht mehr so frisch. Eher gefiltert. Wie auch immer.
Erstmal soll es also um die letzten Tage in der Toskana und in Pisa gehen, und um meine letzten Reiseziele.
Die letzte Woche in Pisa war... seltsam.
Viele der Personen, mit denen ich während des Semesters viel Zeit verbracht habe. waren schon weg oder auf irgendwelchen eigenen Reisen unterwegs. Einerseits natürlich schade, andererseits hat es mir Zeit gegeben, alles um mich herum noch einmal ganz bewusst zu erleben. Ich habe mir die Zeit genommen, eine Eisdiele in Pisa auszuprobieren, die ich noch nicht kannte, habe ein letztes Mal meine Freunde in Lucca besucht, war ein letztes Mal in Marina di Pisa am Meer. Bin immer wieder durch die Gassen Pisas geschlendert und habe versucht, mir alles ganz genau einzuprägen.
Und trotzdem: In erster Linie habe ich mich auf Zuhause gefreut. Das Semester war eine schöne Erfahrung und vor allem die Reisen, die ich im letzten Monat noch gemacht habe, waren wirklich großartig. Aber diese "Ich-will-nie-mehr-zurück"-Erfahrung, die so viele Leute nach ihrem Auslandsaufenthalt zu machen scheinen, hat bei mir einfach nicht eingesetzt.
Nicht falsch verstehen. Ich liebe Italien. Aber auf Dauer wäre es kein Land zum Leben für mich. Ich glaube, dafür mag ich Stille zu sehr und bin womöglich auch ein "kleines" bisschen zu introvertiert. Aber das ist doch okay. Ich werde immer gerne zurückkehren und gerade die Region um Pisa und Lucca wird immer etwas ganz Besonderes für mich bleiben. Noch jetzt habe ich die Straßen von Pisa so genau vor mir - es stimmt was man sagt. Erinnerungen bleiben einem. Immer.
Zum Thema Reisen - inzwischen denke ich manchmal, ich hätte irgendwie noch mehr machen sollen und gerade deswegen doch noch etwas länger bleiben sollen. Aber ich weiß auch, dass ich nicht mehr konnte. Auch wenn sich das komisch anhört, ich war wohl ein wenig 'reisemüde' (gibt es das Wort? Ich kenne nur 'reiselustig', aber es muss ja auch ein Gegenteil geben?!). Meine Aufnahmefähigkeit war einfach zu Ende. Ich habe so viel Schönes gesehen und ich habe das Gefühl, hätte ich das noch weiter fortgesetzt hätte ich eines nicht mehr vom anderen unterscheiden können und alles wäre in meiner Erinnerung nur noch ein riesiger Klumpen an Eindrücken gewesen, die ich nicht mehr hätte trennen, geschweige denn schätzen können.
Nichtsdestotrotz: Drei Zielorte lagen noch vor mir. Mein großzügiger Papa hat sich nämlich angeboten, mich mit dem Auto aus Pisa heimzuholen (ich bin ein Luxus-Kind, ich weiß), weshalb ich meine letzten drei Tage in Italien mit ihm zusammen verbracht habe. Lest selbst. Die Kurzfassung aus drei Monaten Abstand.
Certosa di Pisa
Dank meinem lonely planet-Reiseführer: Durch ihn habe ich überhaupt erst erfahren, dass ca. 10 km von Pisa entfernt, in Calci das "Certosa di Pisa", also das Kloster Pisas liegt. Ein echt wunderschöner barocker Bau von 1366, der sich durch die Jahrhunderte immer weiter entwickelt hat und in dem sogar noch bis 1972 Klosterbrüder gelebt und gedient haben. Aus einem der Fenster kann man (wenn nicht wie an diesem Tag dichter Nebel herrscht) sogar den Schiefen Turm sehen! Für mich war es außerdem die erste Erfahrung im Dolmetschen Italienisch-Deutsch: Mein armer Papa hätte nämlich sonst von der Führung kein Wort verstanden...
Vinci - 'Leonardos Stadt'
Am selben Tag sind wir dann noch weiter nach Vinci (das gehört schon zur Provinz Florenz) gefahren. Die Stadt ist auch sehr goldig, das muss man sagen. Ich glaube, sie ist nicht unbedingt die schönste toskanische Stadt, aber das kann auch daran liegen, dass ich die letzten Wochen einfach so viele Städtchen dieses Typs gesehen hatte.
Eins ist klar: der Tourismus hier lebt einzig und allein von Leonardo da Vinci und dementsprechend gibt es in erster Linie Museen seiner technischen und künstlerischen Errungenschaften. Sein (angebliches, ganz sicher ist es wohl nicht) Geburtshaus liegt etwas außerhalb inmitten einer unglaublichen Landschaft aus Olivenbäumen.
Man klicke sich durch die Galerie für ein paar Eindrücke aus Vinci. :-)
Eine andere Welt - Meran
Und dann war auch schon der Tag unserer Abreise da, und ich musste Pisa teils schweren, teils vorfreudigen Herzens den Rücken kehren.
Aber es sollte ja noch eine Zwischenstation geben, sogar noch in Italien. Naja, zumindest irgendwie noch in Italien, denn es sollte nach Meran in Südtirol gehen. Auf Italienisch ist der Name für Südtirol übrigens "Alto Adige", und da geht das Ganze schon los. Aus unserer Perspektive liegt es im Süden, für die Italiener ist das schon quasi ganz "hoch oben" im Norden...
Meran war wirklich schön. Es ist eben eine Kurstadt, und das merkt man ihr auch an, aber ich bin grundsätzlich immer begeistert, wenn ich von Bergen, und insbesondere von den Alpen umgeben bin. Auch das Meer finde ich zwar schön, aber zu Bergen scheine ich irgendwie eine besondere emotionale Bindung zu haben. Müsste ich mich entscheiden, würde ich mich immer für das Gebirge entscheiden (insofern war Pisa ganz praktisch, da hatte man irgendwie beides).
Zudem war auch in Meran schon total der Frühling eingekehrt, überall waren Blumen gepflanzt, was alleine schon für gute Laune bei mir gesorgt hat.
Am meisten hat mich jedoch fasziniert, dass sich hier zwei Welten auf ganz eigentümliche Weise miteinander mischen. Oder wahrscheinlich ist es richtiger zu sagen: zwei Länder. Irgendwie ist das nicht richtig Italien, aber eben auch nicht wirklich Österreich (Deutschland erst recht nicht, wie ich zu meiner Schande erst lernen musste). Das alles lässt sich natürlich historisch erklären, aber darum soll es an dieser Stelle nicht gehen.
Das Verhältnis zur Sprache bzw. zu den Sprachen hat mich am meisten fasziniert. Am schnellsten fällt das daran auf, dass wirklich alle Schilder und Wegweiser zweisprachig verfasst sind. Aber auch daran, dass man beide Sprachen auf der Straße hört. Das Deutsch hört sich in diesem Dialekt ziemlich putzig an, aber das Italienisch ist dafür für deutsche Ohren perfekt zu verstehen. Obwohl ich an dem einen Tag, den wir in Meran verbracht haben, nicht so ganz herausgefunden habe, ob beide Sprachen im alltäglichen Gebrauch nun wirklich gleichwertig gebraucht werden, oder ob es doch eine Präferenz gibt. Allein das ist ein Grund, nochmal wieder dorthin zu kommen. Quasi zu "Forschungszwecken".
Von der Architektur und der Atmosphäre der Stadt überwiegt (auch hier: logischerweise) der deutsche bzw. österreichische Charakter. Der chaotische Charme anderer italienischer Städte fehlt hier bzw. hat sich wohl noch immer nicht durchgesetzt. Dafür besteht eine gewisse Kur-Atmosphäre. Und es gibt Berge, hatte ich das schon erwähnt?
Insgesamt war unser eintägiger Besuch nicht mal ansatzweise genug, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Aber das, was wir während unserer kleinen Erkundungstour durch die Innenstadt gesehen haben, hat mir gut gefallen.
Interessant war auch unser Hotelier. Das war ein ziemlich schräger Vogel. Wäre er nicht ganz so schräg gewesen, hätte ich sein Angebot, bei ihm in die Lehre zu gehen und in den Hotelbetrieb einzusteigen, vielleicht sogar in Erwägung gezogen. Aber so bleib' ich wohl doch erstmal bei meinem Studium... ;-)
Und dann war es das auch mit Italien für mich. Zumindest vorerst. (Ich werde wiederkommen, versprochen!)
Ich hoffe, die Einblicke, die ich hier geteilt habe, haben meinen zahlreichen Lesern (hahaha) gefallen. Mir jedenfalls hat es, trotz gelegentlicher Verspätungen, großen Spaß gemacht!












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