· 

ItaLIA #12: Toscana, Chianti

ItaLIA #12: Ich habe noch nicht genug!

Nach Volterra sollte ich aber noch lange nicht fertig sein mit der Toskana: Am Montag ging es direkt weiter in die inzwischen ja relativ berühmte Stadt San Gimignano, die zum Bezirk Siena gehört. 

Die Skyline San Gimignanos

Egal, was man von San Gimiginano hört oder liest, man wird immer zu allererst vor den unglaublichen Touristenströmen gewarnt, die den gesamten Ort bevölkern. Nun befinden wir uns zur Zeit noch eher in der Nebensaison, in der alle noch Winterschlaf zu halten scheinen, aber der Touristencharakter ist dieser Stadt auch dann anzumerken, wenn gerade nicht so viel los ist. Die asiatischen Fotogruppen sind nur vereinzelt schon wieder unterwegs und es war verhältnismäßig ruhig, als wir durch San Gimignanos Gassen geschlendert sind. Trotzdem wirkt die Stadt meiner Meinung nach, auch wenn ich es nicht wirklich begründen kann, nicht so echt wie zum Beispiel Volterra. Dort hatte man irgendwie das Gefühl, man betritt eine andere Welt und ist in eine andere Zeit zurückversetzt. Das war in SG nicht so stark. Als würden die vielen, immerzu wechselnden Besucher den ursprünglichen Charakter der Stadt immer weiter auswaschen. Das Gefühl habe ich insgesamt auch schon in vielen italienischen Städten gespürt. Mitunter liegt es wahrscheinlich daran, dass alle Restaurants, Cafés und Geschäfte eigens für Touristen ausgelegt sind und zum Teil nicht einmal italienischsprachige Speisekarten anbieten. 

In meinem Reiseführer habe ich über SG eine interessante Anmerkung gelesen, die in meinen Augen aber für quasi alle toskanischen Städte gilt: Im Mittelalter waren die meisten von ihnen florierende Städte, die aus militärischen oder wirtschaftlichen Gründen sehr angesehen und wohlhabend waren. Nach dem Mittelalter konnte aber niemand diese Bedeutung beibehalten; SG zum Beispiel verlor durch eine Pest-Epidemie auf einen Schlag über drei Viertel seiner Bevölkerung und letztlich seine Unabhängigkeit an das mächtige Florenz. Was damals eine Katastrophe war und zum Stillstand der Entwicklung führte, ist heute aber der Grund für den unglaublichen touristischen Erfolg der Städte, die eben wirken, als wären sie im Mittelalter stehen geblieben. Ein bisschen, als wären sie in einen Dornröschenschlaf gefallen und erst wieder aufgewacht, als die ersten Touristen eintrafen. 

Wie auch immer, auch SG hat definitiv Charme. Die vorherrschende Farbe der Häuser und Türme ist ein wenig dunkler als die in Volterra (überhaupt scheint sie in jeder Stadt ein bisschen anders zu sein), und charakterisiert wird die Stadt vor allem durch ihre 14 mittelalterlichen Türme, die von den ehemals 72 übrig geblieben sind. Schon krass, wenn man bedenkt, dass eigentlich all diese Türme früher nur zur Repräsentation von Macht der führenden Familien der Stadt dienten. Rick Stevens bezeichnet das ironisch als "stony ego trips" - ziemlich passend, wie ich finde. Die meisten der Türme sind wohl reine Attrappen ohne Innenleben.  

 


Twin Towers, Weltbestes Eis und das seit 1300

Mein ursprüngliches Vorhaben war es eigentlich, alle Türme San Gimignanos einem Namen aus meinem Reiseführer zuzuordnen, aber ehrlich gesagt war mir das doch zu kompliziert und anstrengend. Die einzigen beiden, die ich ausgemacht habe, sind die "Zwillingsgtürme" an der Piazza del Duomo, deren Bild ich unten in die Galerie gepackt habe. Angeblich (ich halte das aber für ein Gerücht) waren diese beiden Türme das Vorbild für die Twin-Towers in New York. Nette Vorstellung, aber in Wirklichkeit sind diese beiden vermeintlichen Zwillinge nicht mal gleich hoch. Nun ja, lassen wir den Toskanern eben ihre schöne Vorstellung. 

Quasi direkt nebenan, nämlich auf der Piazza della Cisterna, kann man außerdem das mehrfach ausgezeichnete "beste Eis der Welt" essen. Schon die Eingangstür ist mit lauter Zertifikats-Stickern tapeziert, und das Eis war wirklich ganz gut. Ich hatte Schoko-Sorbet und Mango und es war wirklich sehr gut, auch wenn ich finde, dass meine Lieblingseisdiele in Pisa durchaus konkurrieren kann. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Auf der selben Piazza gibt es übrigens noch eine weitere Eisdiele, die auf ihrem Schild ebenfalls etwas von weltbestem Eis stehen hat. Vermutlich haben die Besitzer des Ladens gemerkt, dass der Name ganz gut läuft und wollten nachziehen. Hat aber offensichtlich nicht so gut geklappt, denn während sich in der "echten" Gelateria Dondoli die Leute drängeln, herrscht dort eher gähnende Leere. 

Zu guter Letzt noch ein weiterer sehenswerter Spot in SG: Das sogenannte "San Gimignano 1300". Ein Museum kann man es eigentlich nicht nennen, es handelt sich viel mehr um einen einzelnen, kostenlos zugänglichen Raum, in dem das mittelalterliche SG aus dem Jahr 1300 nachmodelliert worden ist, mit allen Türmen und so weiter. Ist sehr interessant und ermöglicht einen anderen Blickwinkel auf die Stadt und ihre Geschichte. 

Insgesamt hat mir diese Stadt gut gefallen, aber ich würde, glaube ich, niemandem empfehlen dort im Sommer zur Hochsaison hinzufahren. Aber alleine aufgrund der schönen Landschaft, die das Städtchen umgibt, lohnt es sich. Den Großteil unserer Zeit haben wir auf der Aussichtsplattform auf einem Teil der erhaltenen Stadtmauer verbracht, die einen wirklich schönen Rundumblick auf das Umland ermöglicht. Dort kann man wunderbar in die toskanischen Hügel gucken, den Blick und die Gedanken schweifen lassen und ein bisschen über das Leben philosophieren. 

Der Blick von der erwähnten Aussichtsplattform
Der Blick von der erwähnten Aussichtsplattform

Und zum Schluss noch ein Landschaftsbild:

Ein Trip in die "tiefste Toskana"

Am Dienstag der selben Woche ging es dann auf zum nächsten Abenteuer, und das hieß: Wir mieten ein Auto! Ich habe ja schon erwähnt, dass die öffentliche Verkehrsanbindung gerade zu kleineren Orten in der Toskana nicht gerade optimal ist, und da lag natürlich die Idee nahe, mit einem Auto mal einen unabhängigeren Trip zu unternehmen. Wir wollten gerne ein bisschen Toskana abseits von dem Touristentrubel erleben. Und das war so ungefähr die beste Idee, die wir haben konnten. Wir haben über den Autoverleih von Hertz im Internet ein gutes Angebot gefunden, und dann haben wir natürlich nicht länger gezögert. Die Suche nach der Verleihstelle am Flughafen, wo wir das Auto abholen sollten, hat sich zuerst wie gewohnt ein wenig abenteuerlich gestaltet, aber letztlich hat alles geklappt, und die Freude war groß, denn wir haben einen quasi neuen Fiat 500 bekommen! Da habe ich mich fast wie zu Hause gefühlt, auch wenn ich leider nicht fahren durfte (zu jung! Tzzzz.....). Wir waren schwer begeistert, freudig aufgeregt und gespannt, was die nächsten beiden Tage so bringen würden. Die einzige Planung bestand darin, in Richtung Siena zu fahren, ansonsten wollten wir es spontan angehen lassen und einfach sehen, wohin wir so geraten würden. Ausgestattet waren wir wohlgemerkt nicht mit einem Navi, wir hatten ohnehin auch beide kein Internet, sondern nur mit einer ADAC-Karte von der Toskana und unserem mal mehr, mal minder ausgeprägten Orientierungssinn. 

Das Abenteuer konnte also beginnen...

San Filippo

Die größte Schwierigkeit, was die Orientierung anging, war zunächst einmal Pisa selbst und dann den Bezirk Pisa zu verlassen. Da sind wir einige Male im Kreis gefahren - zum Teil war aber die verwirrende Beschilderung schuld, ehrlich! Als wir dann aber einmal auf der richtigen Strecke waren, konnte nichts mehr schief gehen, denn wir hatten ja ohnehin kein konkretes Ziel, das wir hätten verfehlen können. 

Auch Pisa ist ja landschaftlich wirklich sehr schön, aber je weiter man in die südlichen Gebiete der Toscana vordringt, umso bilderbuchhafter wird die ganze Szenerie. Zum Teil fährt man zwar relativ haarsträubende serpentinenartige Abhänge rauf und runter und kann sehr lange nicht wenden, aber der Ausblick ist das allemal wert. Und so sind wir aus einer spontanen Eingebung heraus einfach mal bei einem Wegweiser abgebogen und haben uns auf den erstbesten Parkplatz gestellt, den wir gefunden haben - und befanden uns somit in dem klitzekleinen Örtchen San Filippo. Ein winziges, verschlafenes Dorf, das einen krassen Gegensatz zu dem Tourismus bildet, den wir bisher so erlebt hatten. Meiner Schätzung nach gibt es in San Filippo höchstens 10 Haustüren auf zwei kleine Gassen verteilt (eine davon ist eigentlich nur ein Grasweg) und eine Kirche, die nicht mal einen Kirchhof besitzt, sondern nur von Gestrüpp umgeben ist. Es ist wirklich sehr charmant und man fühlt sich ein wenig wie ein Eindringling, um ehrlich zu sein, wenn man über den besagten Grasweg geht. 

Ein wenig abseits befindet sich sogar eine Ferienanlage, die aber auch äußerst ruhig und unauffällig ist. Also wenn man einen Erholungsurlaub sucht, ist man hier definitiv an der richtigen Adresse. Denn die Lage dieses Dörfchens ist einfach nur ein Traum. Eigentlich wäre ich gerne nur stundenlang durch die Olivenhaine und wunderschönen Wege spaziert. Allerdings hatten wir doch noch ein wenig Tatendrang und außerdem ja noch unser Auto, das uns bereits erwartet hat und weitergefahren werden wollte... Also ging es, nachdem wir ein Weilchen die Natur genossen und einen Mini-Spaziergang eingelegt hatten, weiter "gen Süden". 

Die Hauptstraße von San Filippo
Die Hauptstraße von San Filippo
Die Nebenstraße (bzw. die Rückseite der Hauptstraße)
Die Nebenstraße (bzw. die Rückseite der Hauptstraße)

Ansonsten gibt es nur ganz viel hiervon: 

Colle Val d'Elsa

Das nächste Mal haben wir in der Stadt Colle Val d'Elsa angehalten. Ich hatte den Namen in meinem Reiseführer gesehen, und als wir bemerkt haben, dass wir ganz in der Nähe waren, haben wir auch hier einfach mal angehalten. Zuerst schien das allerdings eher eine Enttäuschung zu sein. Dachten wir zumindest. Wie der Name "Colle" besagt, liegt diese Stadt an einem Berg, und wir befanden uns am Fuße dieses Berges und damit mehr oder weniger im neuen kommerziellen Zentrum an einer Hauptstraße. Das sah ziemlich trist und nicht so vielversprechend aus (zusätzlich hatte sich der Himmel zugezogen und ohne Sonne ist ja alles nur halb so schön). Wir sind dann aber, nachdem wir das Auto abgestellt hatten, zu Fuß dem Wegweiser zum "centro storico" gefolgt (steil den Berg hinauf) und haben dann eine positive Überraschung erlebt. Denn auf dem Berg befindet sich der alte Stadtkern, ebenfalls von Stadtmauern umgeben und vom Äußeren ein wenig wie Volterra oder San Gimignano. Wir haben uns also doch noch ganz gut mit der Stadt angefreundet. Der Gegensatz zwischen dem alten Zentrum und der modernen Stadt, die sich weiter unten weiterentwickelt hat, ist wirklich ein kleiner Kulturschock, denn das geht einfach nahtlos ineinander über. 

Insgesamt hat mir auch diese Stadt sehr gut gefallen. Natürlich sind sich all diese Städte, von denen ich bisher so berichtet habe, sehr ähnlich und letztlich gibt es überall die engen Gassen, die Stadtmauern und die mittelalterlichen Bogengänge. Und doch hat jede Stadt auf irgendeine Art ihren eigenen Charakter und ist wiederum auf eine andere Weise schön und besonders. In Colle Val d'Elsa ist es wirklich ganz zauberhaft, allerdings ist überhaupt nichts los dort. Es ist buchstäblich wie ausgestorben. Ich bin mir nicht sicher, ob im Sommer viele Touristen dorthin kommen, aber jetzt in der Nebensaison verirrt sich so gut wie niemand dorthin. Man trifft nur sehr wenige Menschen auf den Straßen, und die wenigen Geschäfte, die es gibt, sind zum Großteil geschlossen. Als wäre die Zeit einfach stehen geblieben. 

Trotzdem mochte ich die Ausstrahlung der Stadt sehr. Seht selbst:  

Chianti-Gebiet: Radda und Castellina in Chianti

Gegen Abend und für die Übernachtung  stand dann als nächsten das Chianti-Gebiet auf unserem Plan. Da wollte ich ja von Anfang an unbedingt hin, und mit dem Auto hat sich das natürlich angeboten. Die Serpentinen, die wir entlang gefahren sind, haben auch gezeigt, dass wir da mit Bus und Bahn wohl eher nicht hingekommen wären. Wenn sie auch etwas anstrengend zu fahren waren, so war doch die Aussicht um die engen Straßen herum spektakulär. Ich hatte ja das Privileg, nur auf dem Beifahrersitz sitzen zu dürfen und nur gelegentlich die Straßenkarte studieren zu müssen und konnte daher mit offenem Mund staunend das sich uns bietende Panorama bewundern. Die Stimmung war geradezu mystisch, weil es ja wie gesagt ein wenig bedeckt war und sich so Nebel und Dämmerung allmählich über die Weinberge gelegt haben. Ein unfassbar schönes Bild. Zwischen den Chianti-Hügeln ist zwar auch noch immer die Toskana-Stimmung unverkennbar, aber die Landschaft hat eben doch eine ganz eigene Note, was natürlich vor allem durch die vielen Weinberge kommt, die gelegentlich von Olivenhainen unterbrochen werden. Die Auswahl an Grüntönen ist jedenfalls unermesslich, und beim schwindenden Tageslicht erscheinen sie auf ganz eigenartige Weise zugleich blass und doch intensiv. Ich bemerke selbst, dass meine Versuche, die Toskana zu beschreiben, immer in ganz furchtbar pathetische Beschreibungen ausarten, deshalb schnell weiter im Text. 

Wir waren unentschlossen, in welchem Ort wir halten sollten, da wir aber zuerst durch Castellina in Chianti gefahren sind und dort, wenn auch im Dunkeln, festgestellt haben, dass es uns dort nicht so gut gefällt, sind wir ins nächstgelegene Radda in Chianti weitergefahren und haben es dort als gut befunden. Radda ist ein sehr süßer Ort, wieder ein anderer Stil, aber hübsch. Nur auch hier: ausgestorben. So gut wie keine Menschenseele. Tatsächlich sind wir auf keinen einzigen Touristen getroffen, als wir die recht kleine Fußgängerzone erkundet haben. Dabei sind wir auf einige interessant klingende Hinweisschilder zu Restaurants und möglichen Weinproben gestoßen, aber es waren ausnahmslos alle geschlossen.

Was wiederum unsere Unterkunftssuche recht interessant, um nicht zu sagen schwierig gestaltet hat. Auf den ersten, und auch auf den zweiten Blick haben wir nämlich nur ein 4-Sterne-Hotel gefunden, in dem eine Übernachtung mehr als unser gesamter Trip insgesamt gekostet hätte. Fast wäre uns unsere Spontanität was die Planung anging zum Verhängnis geworden...

Das Wahrzeichen des echten Chianti Classico: der schwarze Hahn. Auf jeder Flasche zu sehen!
Das Wahrzeichen des echten Chianti Classico: der schwarze Hahn. Auf jeder Flasche zu sehen!

Aber das Schicksal hatte eine gute Lösung für uns parat! Es gab nämlich doch noch eine Alternative zum Nobel-Hotel, und zwar ein zu vermietendes Zimmer im alten Stadtkern. Das war an einem ganz unscheinbaren Haus einfach durch ein Schild gekennzeichnet (siehe Bild). Die Haustür stand offen, und innen im Flur stand ein Tisch mit einer vermerkten Telefonnummer darauf - es war aber weit und breit kein Vermieter in Sicht. Wir wussten, dass wir dieses Zimmer brauchten, wenn wir nicht im Auto übernachten wollten, aber wir haben uns auch nicht sofort überwinden können, die Nummer anzurufen. Deshalb standen wir erstmal etwas unschlüssig in dem kleinen Flur, bis plötzlich ein Mann hereinkam. Bei diesem Mann handelte es sich um Luciano, wie wir kurz darauf herausfanden, der zwar nur Untermieter war, dafür aber die Vermieterin kannte und sofort bereit war, uns zu helfen. Luciano hatte seine Brille nicht dabei, weshalb wir ihm von seinem Handy-Display vorlesen mussten, welcher Kontakt der richtige war, doch dann hatte er uns schon mit der Besitzerin verbunden und sie war auf dem Weg zu uns. Auf diese Weise hatten wir also gleich zwei Einheimische aus Radda kennengelernt - auch nicht schlecht. Die Vermieterin war eine typische Italienerin von der ganz schnellen Sorte, doch obwohl sie nicht viel Zeit hatte, war sie sehr nett und hat uns im Handumdrehen die Schlüssel gegen Bezahlung überlassen. So hatten wir also doch noch eine Bleibe und alles war gut. 

Als diese Frage also geklärt war, haben wir uns dann nochmal aufs Neue auf die Suche nach einer geöffneten Gaststätte gemacht und sind, kurz bevor wir die Hoffnung schon aufgeben wollten, doch noch fündig geworden. Die sogenannte "Loggia del Chianti" lag ein klein wenig außerhalb und eher versteckt, aber wir Füchse haben sie trotzdem gefunden. Natürlich war das zwar gleich wieder ein ziemlich teures Pflaster, aber wir hatten nun mal nicht weg zu diskutierenden Hunger und außerdem konnten wir auf keinen Fall den Abend verstreichen lassen, ohne ein Glas des berühmten Weins probiert zu haben. Es ist noch ein schöner Abend geworden. Das Essen war gut, wenn auch sehr überschaubar (meine Nudeln konnte ich an einer Hand abzählen, schade), der Kellner ein wenig verrückt (hat mich einmal so erschreckt, dass ich fast den Wein wieder ausgespuckt hätte) und der Wein wirklich lecker - das war der erste Rotwein bisher, den ich sogar ganz gut fand. Aber meine Vermutung ist noch immer, dass der Geschmack von Wein vor allem von der Umgebung und Atmosphäre abhängt, in der man ihn trinkt. 

Jedenfalls konnten wir nach dem Abend den Punkt "Chianti probieren" von unserer To-Do-Liste streichen und mit vielen tollen neuen Eindrücken ins Bett sinken. 

Am nächsten Tag, bevor wir unsere Tour fortsetzten, wollten wir natürlich noch ein bisschen Radda bei Tageslicht erkunden. Zuerst haben wir uns mit einem Frühstück im einzigen Cafè, das wir finden konnten, gestärkt, wo wir Luciano wiedergetroffen haben. Wir hatten nach nicht mal einem Tag schon einen Bekannten, richtig witzig. 

Als Stadt ist Radda nicht unbedingt außergewöhnlich, aber es hat, so denke ich, den typischen Chianti-Weinort-Charakter. Trotzdem wieder ein bisschen anders als alles, was wir zuvor gesehen hatten. Besonders schön ist natürlich wieder mal die Landschaft, von deren Weinbergen ich ja schon geschwärmt habe. Hier ist ein Beweisbild: 

Schließlich wollten wir Castellina in Chianti dann doch noch eine Chance geben, vor allem weil wir auf unserer Karte gesehen hatten, dass es dort "Tombe Etrusche", also Etruskische Gräber zu besichtigen gibt. Das konnten wir als erklärte Etrusker-Fans natürlich auf keinen Fall auslassen. Also sind wir in unserem kleinen Flitzer schleunigst dorthin gedüst. Die Gräber waren nicht sonderlich groß, aber tatsächlich ganz interessant. Es ist schon immer wieder beeindruckend, wie ausgeklügelt schon vor ca tausend Jahren gebaut wurde; das muss eine wirklich fortgeschrittene Kultur gewesen sein bei den guten Etruskern.

Ansonsten haben wir uns in Castellina nur noch kurz aufgehalten. Es ist auch hübsch dort, auch wenn ich Radda tendenziell noch etwas charmanter fand. Letztlich werden sich all diese kleinen Chianti-Orte aber relativ stark ähneln, würde ich behaupten.  

Monteriggioni

Nun hatten wir ja wahrhaftig schon so einiges gesehen auf unserer kleinen Toskana-Tour. Ein weiteres Ziel wollten wir uns aber noch vornehmen, und weil das Bild im Reiseführer dazu so hübsch aussah, haben wir uns für das winzige Städtchen Monteriggioni entschieden. Das war früher ein wichtiger Militärsknotenpunkt, wie man an den vielen Wehrtürmen rings um die Mauer erkennen kann, und wurde von Siena als eine Art Bollwerk gegen Florenz benutzt. Dafür, dass der Ort so eine militärische Geschichte hat, wirkt er heute erstaunlich friedlich und beschaulich. Zudem war das Wetter an jenem Tag wirklich traumhaft. Innerhalb der Mauern hat man die Stadt sehr schnell durchquert, dafür braucht man kaum 15 Minuten. Nach unserem ersten kurzen Rundgang, haben wir uns aber erstmal außerhalb der Mauern an einem Sitzplatz im Grünen mit tollem Ausblick niedergelassen, um ein wenig Wetter und Aussicht zu genießen. Das war einfach so wunderschön und entspannend. Wir haben etwas gepicknickt, die vorbeiwandernden "Power-Touris" beobachtet (während unseres Picknicks ist eine Reisegruppe, wie man sie sich nicht klischeehafter vorstellen kann, angekommen und kurze Zeit später schon wieder abgefahren) und ansonsten einfach nur die Nase in die Sonne gehalten. Manchmal kann es einfach nichts schöneres geben.

Hinterher haben wir uns nochmal ein wenig mehr Zeit für die Stadt genommen und jeden Winkel der Stadt erkundet. Auch hier lasse ich mal wieder lieber die Bilder für mich sprechen:  

Und dann waren wir wirklich in der "tiefsten Toskana" angekommen...

Langsam aber sicher war dann auch schon der späte Nachmittag angebrochen, und wir mussten uns langsam mit dem Gedanken an die Heimfahrt nach Pisa anfreunden. Zum Abschluss wollten wir noch die auf unsere Karte eingezeichnete "Strada dei Castelli" entlangfahren, um noch ein bisschen die Chianti-Weinberge und die gute Aussicht zu genießen und vielleicht noch den Sonnenuntergang dabei abzupassen. Es war allerdings nicht ganz leicht, diesen Weg inmitten all der kurvigen Straßen und Serpentinen zu finden. Auf der Suche nach dem richtigen Weg sind wir letztlich einem Straßenschild, das wir als zielführend angesehen haben, gefolgt - und damit mitten in der Pampa auf einem Feldweg gelandet. Im Ernst, da waren richtige Straßenschilder wie auf jeder anderen Straße auch, und auf einmal hört die Welt auf und wir standen da auf einem kaum befestigten Wald- und Wiesenweg. Und bis wir da wieder rausgekommen sind, hat es ganz schön gedauert. So was kann auch nur in Italien passieren. Im Endeffekt war es aber gut, dass es so gekommen ist, denn so haben wir, mitten im Nirgendwo, einen unglaublichen Sonnenuntergang erlebt. Zwar ohne Castelli, dafür aber mit einem tollen Farbenspiel. Was ich vorher noch als Witz formuliert hatte ("Wir fahren in die tiefste Toskana, hahaha!"), haben wir also zu guter Letzt nochmal richtig und wahrhaftig in die Tat umgesetzt. Ein gelungener Abschluss für einen gelungenen Ausflug! 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0