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ItaLIA #11: Die Etrusker

ItaLIA #11: Auf den Spuren der Etrusker!

Meine Reisezeit hat jetzt also offiziell begonnen. Und das, ohne dass ich es so richtig mitbekommen habe. Auf einmal bin ich mittendrin - mitten in der Toskana, soll das heißen! Und Leute, ich habe mich in den letzten Tagen noch einmal neu verliebt. Es sieht einfach alles genau so aus wie in den Bildbänden und Fotos, die man von der Toskana so kennt. Es ist der helle Wahnsinn. Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, wenn man diese Landschaft sieht. Aber bevor ich jetzt noch weiter vor mich hin schwafele, lieber der Reihe nach.

Aus dem Wunsch heraus, meine Umgebung noch genauer zu erkunden, habe ich mir nach den Prüfungen erstmal einen neuen Reiseführer gekauft (ich habe ja nicht schon zwei...), um alle Informationen für "Mission T" beisammen zu haben und bin dabei durch Zufall auf den Toscana-Führer von lonely planet gestoßen. Das scheint ein ganz guter Reiseführer-Verlag zu sein, falls ihr mal was sucht. Vor allem, weil nicht nur Informationen zu den Sehenswürdigkeiten drin stehen. Auch zum Umland der größeren Städte wie Florenz, Siena und Pisa findet man gute Insider-Tipps und außerdem auch praktische Hinweise, zum Beispiel wie man die jeweilige Stadt überhaupt erreichen kann usw. Übrigens sehr wichtige Informationen bei all den kleinen italienischen Städtchen, bei denen man manchmal schon froh sein kann, wenn sie eine Bushaltestelle besitzen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist man hier teilweise echt aufgeschmissen, deswegen bin ich froh, dass ich das Geld in das gute Teil investiert habe. Nebenbei begleitet mich aber auch das Buch "Italy" von Rick Stevens, das ich ebenfalls sehr empfehlen kann. Das ermöglicht es einem nämlich, sein eigener Tourguide zu sein und beinhaltet für jede Stadt einen Rundgang mit Erklärungen und Hintergrundinformationen zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten. So viel also zu meiner Reisebibliothek. 

Nachdem Anfang der Woche noch ein paar organisatorische Dinge geklärt werden mussten, Erasmus ist schließlich eine äußerst bürokratische Angelegenheit, war es dann endlich so weit für unseren ersten "Roadtrip"...

San Miniato - wir sind die Attraktion!

Und der ging auf Empfehlung meines neuen Reiseführers hin nach San Miniato. Ja, den Namen habt ihr wahrscheinlich noch nie gehört. Ich auch nicht. Der Ort ist sehr klein und liegt etwa auf der Zugstrecke zwischen Pisa und Florenz. Allerdings sollte man wissen, dass die meisten Orte, nach denen die Bahnhöfe hier benannt sind, nicht direkt der Stadt entsprechen, in der sie sich befinden. Die Haltestelle "San Miniato - Fucecchio" liegt somit weder in San Miniato, noch in Fucecchio. Etwas seltsam und gewöhnungsbedürftig, aber mit ein bisschen Glück findet man einen Bus, der einen zum Zielort bringt. In diesem Fall war das ein Minibus mit nur 9 Sitzen, dessen Innenansicht ihr weiter unten sehen könnt. Echt süß, und eine Erfahrung für sich, kann ich nur sagen. Als der Bus an der Haltestelle aufgetaucht ist, haben wir uns erstmal nur mit großen Augen angeschaut und waren uns nicht sofort ganz sicher, ob das wirklich "der" Bus sein kann. Später, bei den schmalen steilen Straßen und den engen Gässchen innerhalb der Stadt konnte man dann besser nachvollziehen, warum es keine normalen Busse gibt. Bei dem Fahrstil der italienischen Busfahrer und den nicht vorhandenen Stoßdämpfern ist Busfahren immer wieder ein Erlebnis. Ich habe mich noch immer nicht daran gewöhnt, dass die Dinger klappern, als würden sie jeden Moment in der Mitte auseinander brechen, genauso wenig wie an die Tatsache, dass Bremsen für die meisten Fahrer eher ein Fremdwort ist. Wir mussten übrigens auf der ca. 15-minütigen Fahrt auch einmal umsteigen. Der Busfahrer war allerdings sehr hilfsbereit und hat uns aufgeklärt, was zu tun war. 

Schon als wir ausgestiegen sind, war sofort klar, dass es eine sehr gute Idee war, herzukommen. Es handelt sich nämlich um eine wirklich zauberhafte kleine Stadt, die von einer ebenso schönen Landschaft umgeben ist. Leider hatte ich, verplant wie ich eben manchmal bin, meine Kamera am Ladekabel zu Hause vergessen. Deshalb musste ich auf mein Handy zurückgreifen, und weil es an dem Tag ein wenig bewölkt war, sind die Bilder leider von ziemlich schlechter Qualität, die überhaupt nicht an die Realität heranreicht. Ihr müsst also mit etwas trüben Farben vorlieb nehmen, sorry! 

In der Stadt war nicht viel los, was an der Nebensaison liegen mag, aber ich schätze, dass sich nie sonderlich viele Touristen dorthin verirren. Das war unter anderem daran zu bemerken, dass die Busfahrer gar nicht erst versucht haben, auf Englisch mit uns zu sprechen; vor allem aber daran, dass wir von allen Einwohnern ziemlich offenkundig angestarrt wurden. Vermutlich kennen sich in diesem Dorf alle untereinander und da fallen Fremde natürlich sofort auf, vor allem, wenn sie blond wie meine Freundin sind. Ein Autofahrer hat sich sogar richtig nach uns umgedreht, mit einem fast schon ungläubigen Gesichtsausdruck. Es war etwas unangenehm, aber irgendwie auch ganz lustig. 

Die größte Besonderheit der Stadt ist die dortige Spezialität: tartufo bianco, also weißer Trüffel. Das kann man in einigen Läden in allen möglichen Verarbeitungsformen  kaufen. Ansonsten gibt es keine super-außergewöhnlichen Dinge außer ein paar hübsche Kirchen und Palazzi zu sehen, aber allein der mittelalterliche, verschlafene Charme der bergigen Stadt macht sie zu einem tollen Erlebnis. Es macht Spaß, durch die kurvigen Gassen zu schlendern und immer wieder an einem Aussichtspunkt, an dem man über die alte Stadtmauer linsen kann, anzuhalten und ein bisschen über die toskanischen Hügel zu staunen. Hier und dort entdeckt man einen schönen Hauseingang oder eine winzige Gasse, ansonsten ist es herrlich unspektakulär. Der höher gelegene Dom der Stadt ist über mehrere Treppen zu erreichen (eine davon komplett von einem Torbogen, italienisch arco, überdacht), der von außen relativ klein und unscheinbar wirkt, von innen aber total schön und reich ausgestattet ist, mit einer vergoldeten Decke. Geht man vom Domplatz aus noch ein paar weitere Treppen hinauf, kommt man zum höchsten Punkt der Stadt: eine von Mauern umgebene, grasbewachsene Aussichtsplattform, auf der wir am Nachmittag ein Stündchen einfach nur gesessen und in die Berge geschaut haben. 

Das Schöne an den italienischen Mittelalterstädten ist, dass es dort ausschließlich kleine, individuelle Lädchen statt irgendwelcher großer Klamotten-Ketten gibt. Neben kleinen Lebensmittel-, Obst- und Gemüseläden gibt es auch immer wieder Kunsthandwerk und andere Kleinigkeiten. Die letzte Stunde unseres Aufenthaltes in San Miniato haben wir in einem kleinen Schmuckladen verbracht, in dem eine junge Frau selbst Ketten, Ohrringe und weitere Einzelstücke anfertigt. Wir haben uns sehr nett mit der goldigen Verkäuferin unterhalten und sind letztlich beide mit zwei Paar neuen Ohrringen dort herausgekommen. Sie hat auch eine Facebook-Seite, falls euch das interessiert: Die nennt sich "Narciso Gioielli". Sie macht wirklich schöne Sachen, ich finde, es lohnt sich. 

Volterra

Nach einem Tag Pause ging es dann am Samstag nach Volterra - und nein, dort gibt es keine Vampire! ;-) 

Volterra gehört zur Region Pisa und ist etwas weniger bekannt als die Touri-Hochburg San Gimignano, mit der es jedoch häufig in einem Atemzug genannt wird. Wie das im Mittelalter nun mal so üblich war, liegt auch dieses Städtchen auf einem Berg inmitten der toskanischen Hügel, besitzt noch einige Teile der historischen Stadtmauer (zum Teil sogar noch etruskisch!) und sieht einfach nur total malerisch aus. Der Himmel war strahlend blau an diesem Tag, und als ich in Pisa losgefahren war, hatte ich sogar schon richtige Sommergefühle gehabt. In Volterra dann war es aber extrem windig, und dieser Wind war definitiv zu kalt für mein optimistisches Outfit. Mein zweithäufigster Satz nach "Ist das schön hier" war also "Man, ist das kalt!" Wahrscheinlich habe ich ein bisschen wie ein Papagei geklungen... Nun ja.

Es waren übrigens noch nicht allzu viele Touristen unterwegs, worüber ich echt froh bin, denn ich finde, wenn das überhand nimmt, geht sehr viel von der Stimmung einer Stadt total verloren. Aber so konnten wir die Gassen in ihrer ganzen  Pracht genießen. 

Insgesamt bin ich also voll und ganz verliebt in diese Stadt und warne euch schon mal vor: Meine Schwärmereien über die bildschöne Landschaft gehen weiter... 

Ein guter erster Eindruck

Nachdem wir durch die Porta all'Arco (auch etruskischen Ursprungs, just saying) in die Stadt gelangt waren, hat sich uns zuerst dieser Anblick geboten. Ich war gleich auf den ersten Blick begeistert und bin völlig unerwachsen diesen Berg hochgehüpft, während meine Freundin A. und ich uns fortwährend erzählt haben, wie schön wir jetzt schon alles fanden. 

Ganz Volterra ist in diesem schönen sandigen Braunton gehalten und wirkt dadurch zwar alt, aber sehr hell, freundlich und aufgeräumt. Ich finde, sie ist eine der schönsten italienischen Städte, die ich bisher gesehen habe! 


Die Aussicht genießen...

Diesen Blick hier fand ich besonders schön - die Hausdächer sind allerliebst, nicht wahr?! Ich will kein Nein hören! 

Ich könnte mich immer wieder stundenlang hinsetzen und einfach nur alles auf mich wirken lassen und versuchen, jede Einzelheit aufzunehmen und mir einzuprägen. Ich glaube, so sieht es einfach nirgendwo sonst auf der Welt aus. Diese Kombination der typischen Toskana-Farben - immer wieder grün mit all den Zypressen, Olivenbäumen und grasigen Hügeln und dann weiter hinten immer mehr Blautöne, bis irgendwann der Horizont kommt und die Berge in den Himmel übergehen. Da kann man ja nur poetische Allüren bekommen... 


Die Stadt des Alabaster-Handwerks!
Die Stadt des Alabaster-Handwerks!
Ein römisches Theater, das man von der Stadtmauer aus betrachten kann, gibt es auch!
Ein römisches Theater, das man von der Stadtmauer aus betrachten kann, gibt es auch!

Fortezza Medicea & Parco Archeologico

An der Südseite Volterras befinden sich eine Festung (Fortezza Medicea) und ein sehr schöner Park. Die Festung, die früher zur Verteidigung und Befestigung der Macht des Medici-Clans diente, ist, auch wenn man es ihr nicht so richtig ansieht, heutzutage ein Hochsicherheitsgefängnis, das laut meinem Reiseführer 150 "special prisoners" beherbergt - was auch immer das genau bedeutet. Passt gar nicht zu dem so friedlichen, unschuldig daher kommenden Park, der sich direkt an den stattlichen Komplex anschließt. Durch diesen wäre ich unter normalen Umständen gerne etwas länger spaziert, aber der eklige kalte Wind hat uns relativ schnell durch die Anlage gejagt, und zwar natürlich, wie sollte es anders sein, in Richtung eines Cafés zu einem Cappuccino. 


Abendlicht

Der Abschluss unseres Tages wurde vom Sonnenuntergang begleitet, den wir von diesem hübschen Ort aus genossen haben. Im Abendlicht sahen die Häuser noch vorteilhafter aus, und diesen Ort hier fand ich besonders schön. Das richtige italienische Lebensgefühl hat sich spätestens dann eingestellt, als die Herrin dieses Hauses angefangen hat, ihre Wäsche vor dem Fenster aufzuhängen. Friedliche Idylle - komplett! 

Es tut mir übrigens leid, dass ich dauernd Worte wie "traumhaft", "herrlich", "idyllisch" benutze, aber die Stimmung in all diesen Orten lässt einen einfach etwas schwelgerisch werden. 


Ein paar etruskische Spuren...

Schön und gut, aber was will ich ständig mit denen?!

Neben dem Alabaster ist in Volterra vor allem eins an jeder Ecke zu finden: Hinweise auf die Etrusker! Das geht schon bei dem bereits erwähnten etruskischen Stadttor los, mit dem ein jeder Touri-Rundgang notwendigerweise startet.

Warum ich dauernd so blöde Bemerkungen über die guten Etrusker mache, liegt daran, dass sie beim Stoff für eine meiner Prüfungen immer wieder vorkamen und dass ich sie letztlich sogar in der Prüfung erwähnt habe (obwohl es an der Stelle nicht so GANZ richtig war). Irgendwie haben sie sich jedenfalls zu einer Art Running Gag zwischen uns entwickelt und wir können uns immer wieder königlich darüber amüsieren. Da die Etrusker nun aber einmal früher, in grauer Vorzeit, im Gebiet der heutigen Toscana gesiedelt haben, stößt man auf Reisen natürlich immer wieder auf ihre Spuren. Deshalb hält unsere Erheiterung beständig an, auch wenn es für Außenstehende eigentlich echt nicht so lustig ist. 

Alle historisch Interessierten können noch kurz weiterlesen, ich versuche mich mal in einem knappen Überblick: 

Die etruskische Hochzeit spielte sich ca. um 550 v. Chr. ab. Die Herkunft des hochentwickelten Volkes ist ungewiss, sicher waren sie jedoch ein sehr früh zivilisiertes Volk und haben einen wichtigen Einfluss auf die römische Kultur, vor allem in urbanistischer Hinsicht, ausgeübt. Bekannt sind sie vor allem für ihre necropoli, also für die raffinierten Grabstätten.

Wenn das mal nicht informativ war! Für weiterführende Informationen empfehle ich Wikipedia. 

Wer ein paar etruskischen Vibes erfahren möchte, kann auf jeden Fall in Volterra nichts falsch machen! 

So, ihr lieben Leute, das war's für heute und mit meinen Berichten der letzten Woche! An dem Sonntag nach unserem Volterra-Trip war nicht viel los; es gab allerdings Frühstück im Dolce Pisa und anschließend einen Messe-Besuch im Pisaner Dom. Das muss man schließlich mal gemacht haben, wenn man hier wohnt, und das Panorama ist schon nochmal ein anderes als das in der Kirche San Frediano. 

Es war nicht der letzte Reisebericht aus der Toskana, ihr könnt euch gleich auf weitere gefasst machen. Ich komme wieder! 

Arrivederci und bis bald,

Lia 

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