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ItaLIA #10: Keine Uni mehr

ItaLIA #10: Meine erste Woche in Freiheit

Meine letzte Prüfung liegt inzwischen schon über eine Woche zurück, und allmählich kann ich sagen, dass ich mich erholt habe. Die Prüfungen hier in Italien sind grundsätzlich mündlich und mit extrem viel Lesepensum verbunden - vor allem erstere Tatsache hat bei mir im letzten Monat für regelmäßige Schweißausbrüche gesorgt. Dazu kommt, dass die Organisation der Prüfungen meiner Meinung nach so einiges zu wünschen übrig lässt. Es gibt nämlich keine festgelegten Termine, sondern es gibt am Tag des Geschehens morgens den "appello", bei dem alle aufgerufen werden, und dann wird nach Reihenfolge der Anmeldung angefangen, zu prüfen. Und man steht dort und wartet. Wenn man es schlau macht, sich gleich am Anfang zur Prüfung angemeldet hat und der Professor einigermaßen zügig arbeitet, kann man Glück haben und schnell fertig sein. Bei meiner letzten Prüfung war das leider nicht der Fall: Ich war durch zwei blöde Zufälle erst auf Platz 17 der Liste, und unser Professor hat seinem italienischen Ruf alle Ehre gemacht. Der appello war um 8:30 angesetzt. Aufgekreuzt ist er um 9:30 und hat es dann tatsächlich noch fertig gebracht, um 10 Uhr wieder zu einer Konferenz zu verschwinden. Den zweiten Teil meiner Prüfung hatte ich entsprechend dann um 17 Uhr und war danach ziemlich am Ende. 

Mit meiner Freundin A., mit der ich Gottseidank alle Prüfungen zusammen hatte, war ich dann am Montagabend nach diesem Horrortrip erstmal zur Feier des Tages essen, und zwar in der Pizzeria "Bagno di Nerone" (benannt nach der alten Thermenanlage am Stadtrand). Es war einfach himmlisch, wie die Spannung langsam abgefallen ist und man noch gar nicht richtig glauben konnte, dass der Stress jetzt tatsächlich vorbei ist und wir dieses Mal nicht am nächsten Tag in die Bibliothek zurückkehren mussten. Die Pizzeria ist übrigens sehr empfehlenswert. Besonders angetan hat es mir der Nachtisch, der uns von dem netten Kellner empfohlen wurde. Der nannte sich semi-freddo oder so ähnlich und hatte mehrere Bestandteile, war aber außen mit einer Eiscreme umhüllt, die wie das Kinder-Milcheis Mini Milk schmeckt (kennt das noch jemand?), und innen gab es dann noch Schokolade, einen Teigboden und Eierlikörfüllung. Obwohl ich Eierlikör eigentlich nicht so mag, war es wirklich lecker. Eine richtige kleine Wundertüte!

Die nächsten Tage ging es weiter damit, uns ein wenig zu belohnen und die neu gewonnene Freiheit in vollen Zügen zu genießen.  Und wo kann man das besser als in Marina di Pisa am Meer? Richtig, nirgendwo! Das wird mir wirklich fehlen, nicht mehr mal eben für einen Nachmittag dorthin fahren zu können. Die Stimmung ist einfach wirklich besonders dort, und das Wasser so schön blau-türkis wie an sonst keinem Strand, den ich hier in der Umgebung gesehen habe (und das waren ja jetzt schon ein paar). Was bei unserem Besuch auch nicht fehlen durfte, kann man auf dem Bild hier oben sehen. Ich hülle mich in Schweigen. 

Immer wieder Lucca, immer wieder schön

Am Mittwoch habe ich dann zusammen mit 2 meiner lieben Freundinnen einen Plan in die Tat umgesetzt, den ich schon länger ausgeheckt hatte, weil ich es schon öfter bei anderen beobachtet hatte: Wir haben uns ein 4-Sitzer-Fahrrad gemietet und sind damit auf der Mauer von Lucca spazieren gefahren! Das hat so viel Spaß gemacht! Ich kann es absolut empfehlen, ein solches Mehrsitzer-Fahrrad mal auszuprobieren, ist wirklich super witzig und in so hübscher Umgebung wie in Lucca natürlich doppelt schön. 
Ausgeliehen haben wir uns das gute Teil in dem Fahrradverleih "Cicli Rai", ganz in der Nähe der Mauer, tendenziell im südlichen Teil Luccas. 

Es ist auf jeden Fall eine spaßige Erfahrung, die Lenkung dieses Gefährts ist anfangs etwas ungewohnt, aber eigentlich ganz einfach und ein sehr kurzweiliger Zeitvertreib. Bis wir auf der Mauer angekommen waren, haben wir zwar ein bisschen den italienischen Verkehr aufgehalten, weil wir uns einmal verfahren und überhaupt in einem ziemlichen Schneckentempo gefahren sind (ich saß übrigens am Steuer...), aber das war es alle Mal wert, und die Italiener sind ja gut im Überholen. 

Wir haben die Mauer zweimal umrundet, und was wir dabei so gesehen haben, könnt ihr weiter unten in der Galerie bewundern. 

Das amüsanteste Erlebnis an der ganzen Unternehmung kam aber tatsächlich erst, als wir schon wieder am Fahrradverleih angekommen waren und den Besitzer dort gebeten haben, noch ein Foto von uns in dem Gefährt zu machen. Er hat es auch nach mehreren Versuchen nicht geschafft, den Auslöser zu betätigen und war ganz verzweifelt (und ich etwas verwundert, denn meine Kamera ist eigentlich ganz normal und kinderleicht zu bedienen), bis sich schließlich herausgestellt hat, dass er aus Versehen den Video-Aufnahmeknopf betätigt hatte. So sind zwei Minuten sehr erheiterndes Videomaterial entstanden, in denen wir ganz herzallerliebst posen. Hach ja, die ungeplanten und eigentlich gar nicht gewollten Sachen sind doch immer die schönsten, die die besten Erinnerungen mit sich bringen. 

Zum Abschluss, ehe wir dann wieder Richtung Pisa gefahren sind, waren wir dann noch in dem Cafè, das ich noch aus meiner Sprachkurszeit 2015 kannte. In diesem Cafè wurden immer die Pausen der Koiné-Sprachschule bei Kaffee und Dolce verbracht und ich habe mich in eine schöne Zeit zurückversetzt gefühlt. Auch wenn ich feststellen musste, dass es vom Ambiente eigentlich gar nicht so schön dort ist. Ich glaube, meine Freundinnen konnten meine Begeisterung gar nicht richtig nachvollziehen, aber wenn man gute Erinnerungen mit einem Ort verbindet, stört das gar nicht unbedingt so sehr. 

Leider war dieser Ausflug der letzte mit unserer Freundin K., denn sie ist am folgenden Freitag schon nach Hause geflogen! Was wirklich schade ist, denn es wird ohne sie einfach nicht mehr dasselbe sein, weil ein wesentlicher Bestandteil unseres Alltags fehlt. Gleichzeitig ist es aber auch die Erinnerung daran, dass auch meine Zeit hier allmählich dem Ende entgegen geht. In vier Wochen geht es auch für mich schon in Richtung heimischer Gefilde! Schön und ein bisschen traurig zugleich...  Aber umso mehr ein Ansporn, noch möglichst viel zu unternehmen und viele Erinnerungen zu sammeln, die ich mit nach Hause nehmen kann.  

Pisa San Rossore oder: Füße platt

Nach einem weiteren kleinen Trip nach Siena am Freitag und einem nicht sonderlich ereignisreichen Samstag (man kann ja schließlich auch nicht immerzu auf Achse sein), habe ich mich am Sonntag dann für einen kleinen Ausflug auf eigene Faust entschieden. Mich hat nämlich mit einem Mal eine Art Torschlusspanik gepackt, dass ich meine verbleibende Zeit hier auf gar keinen Fall ungenutzt lassen und vor allem in Pisa kein Fleckchen unerkundet lassen darf. Deshalb habe ich Reiseführer gewälzt und mir dann in den Kopf gesetzt, den Nationalpark Pisa San Rossore zu besuchen. Da der gleichnamige Bahnhof bei mir gewissermaßen nur zwei Ecken entfernt liegt, dachte ich, dass dürfte eine der einfacheren Übungen werden. Meine Recherche hat dann aber sogleich das Problem ergeben, dass dieser Park gar nicht so einfach zu erreichen ist. Denn auch von jenem Bahnhof liegt er noch einmal 6 km entfernt, und weit und breit war keine Buslinie zu finden. Weil ich das nicht glauben wollte, habe ich zusätzlich noch im Touristenbüro am Schiefen Turm nachgefragt, wo mir leider auch eröffnet wurde, dass es an Transportmitteln nur die Möglichkeit "Taxi" gibt. Als ich dann nach Fußwegen gefragt habe, wurde ich zwar etwas mitleidig angeschaut, aber das war mir egal. Wenn ich mir mal etwas in den Kopf gesetzt habe, lasse ich mich von einem miesen Verkehrsnetz garantiert nicht abhalten. Das Wetter war gut, es gab einen Fußweg, also habe ich mich auf den Weg gemacht. Und es war durchaus machbar. Meine Füße taten hinterher zugegeben etwas weh, aber das kann man ja mal in Kauf nehmen. 

Auf dem Weg sind mir zwei Dinge aufgefallen: Landschaftlich hat Pisas Umgebung durchaus einiges zu bieten, und ich würde gerne nochmal eine kleine Wanderung Richtung Pisaner Berge unternehmen. Und zweitens, in den Außenbezirken gibt es offensichtlich einige Pferdeställe (neben den Fußwegen gab es zusätzlich auch durchgängig Reitwege!); ein richtiges Reitgebiet. Letzteres hat sich später dann damit erklärt, dass es in dem Park eine Pferderennbahn gibt. Das hat meine Begeisterung direkt wieder gedämpft, denn das wenige, was ich von außen erkennen konnte, hat mir wirklich gar nicht gefallen. Ich möchte an dieser Stelle keine Moralpredigt halten, aber im Ernst: Leute, unterstützt keine Pferderennen! Das ist nicht gut! Pfui!! 

Im Großen und Ganzen hat mir der Park aber ganz gut gefallen. Vor allem war es schön, mal wieder statt immerzu nur Stadt und Häuser ein bisschen Grün zu sehen und frische Luft zu atmen. Vor allem gibt es dort Pinien, soweit das Auge reicht. 

Die Organisation in diesem Park ist nur auch... nun ja, wie soll ich sagen, eben typisch Italien. Keine Schilder und Lagepläne weit und breit bei einem riesigen, unüberschaubaren Gelände, und falls es doch mal eins gibt, dann ist es nicht sonderlich präzise oder auch nur annähernd hilfreich. Außerdem merkt man, dass das Thema "Gemütlichkeit"/"Behaglichkeit" hier keine allzu große Rolle spielt, denn es gibt im Prinzip nur eine breite, asphaltierte Straße, die Ewigkeiten geradeaus führt, auf der übrigens auch Autos fahren dürfen, und dann kommt einfach lange Zeit gar nichts. Und man läuft und läuft und weiß nicht, ob und wann man mal irgendwo ankommt. Ich habe nach weiteren 5 km (gefühlt sogar mindestens 10) dann wieder Kehrt gemacht, weil ich Angst hatte, falls ich mal einfach so querfeldein gehen sollte, nie wieder zurück zu finden. 

Trotzdem bin ich froh, dass ich da war und jetzt immerhin behaupten kann, dass ich den Park kenne. Ist das jetzt schon ein Touri-Syndrom? Hauptsache, da gewesen? Wie auch immer, mein Bewegungsdrang für diesen Tag war auf jeden Fall befriedigt und ich am Abend glücklich und müde. 

So in etwa habe ich also meine erste prüfungsfreie Woche verbracht. Ich hoffe, es hat euch ein bisschen Spaß gemacht. Mir auf jeden Fall! Für den Rest meiner Zeit hier bin ich jedenfalls weiterhin voller Tatendrang und habe schon wieder viel vor! Auch in Pisa wollen noch einige Ecken, Cafès und Straßen erkundet werden, außerdem habe ich diese Woche in einem Anfall von Reiselust einen Reiseführer über die Toskana gekauft, der noch viele weitere spannende Erlebnisse verheißt. Bleibt also gespannt, ich melde mich bald wieder, versprochen! 

Zum Abschluss habe ich noch ein kleines Schmankerl aus Pisa für euch, das mich heute sehr zum Lachen gebracht hat. Italienische Logik, sage ich nur! Aber seht selbst...

 

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal! Verlauft euch nicht. 
Eure Lia

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