ItaLIA #9: Ich bin zurück!
Endlich melde ich mich wieder zurück - es hat lange gedauert, aber Bilder und Nachrichten aus der Bibliothek (in der
ich im letzten Monat den größten Teil meiner Zeit verbracht habe), will doch wirklich niemand lesen. Doch seit dieser Woche habe ich der Bib den Rücken gekehrt und am Montag meine letzte Prüfung in
Italien und für dieses Semester abgelegt. Kein Mensch kann sich vorstellen, wie erleichtert ich bin und wie frei ich mich gerade fühle. Es war teilweise schon ziemlich hart, aber es hat sich gelohnt
und jetzt kann ich guten Gewissens sagen, dass ich für dieses Semester genug getan habe!
Das Foto, das ihr oben sehen könnt, ist übrigens während einer meiner wenigen Lernpausen in Forte dei Marmi entstanden. So erklärt sich auch der eventuell erkennbare etwas müde Gesichtsausdruck. Vor allem kann man dem Bild aber eine andere, sehr viel wichtigere Information entnehmen: Nämlich die Wettersituation hier in der Toskana. Blauer Himmel, Sonnenschein und inzwischen schon wahrhaftig frühlingshafte Temperaturen. Diese Woche konnte man die Winterjacke bereits getrost zu Hause lassen. Die Sonne hat schon sehr an Kraft gewonnen, ist super angenehm bei bis zu 15 Grad (das ist selbst für Italien eher untypisch früh, aber ich beschwere mich natürlich nicht) und macht einfach unglaublich gute Laune!
Jetzt habe ich euch allen im kalten Deutschland aber genug die Nase lang gemacht. Ich komme jetzt zum Punkt, keine Sorge. Bevor ich damit fortfahre, euch von all meinen unglaublich spannenden "Abenteuern" zu berichten, dachte ich mir, ich möchte mal ein kleines Resümee über meine bisherige Zeit hier in Italien ziehen. Meine Tage sind ja nun letztendlich doch gezählt, die Uni ist vorbei und mein Tagesablauf von nun an anders und eher auf Urlaub ausgerichtet.
Was ist mir an meinem Leben hier in Italien aufgefallen, was war vielleicht eher schwierig, woran konnte ich mich gut und woran überhaupt nicht gewöhnen? Bin ich denn überhaupt zufrieden und was ist meine Ansicht zum italienischen Leben? Ist das alles überhaupt so süß, oder bewährt sich das "dolce vita" im alltäglichen Leben eher nicht? Wenn euch meine Gedanken zu diesen Fragen interessieren, lade ich euch herzlich ein, jetzt weiterzulesen!
Small Talk - das große Talent der Italiener
Ein Punkt, der in meinen Augen einen großen Teil der italienischen Identität ausmacht und den ich irgendwie gleichermaßen faszinierend wie anstrengend finde. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich (leider oder zum Glück?) eine kolossale Niete in Sachen Small Talk und gerade, wenn ich jemanden noch nicht lange oder gut genug kenne, recht schweigsam bin. Manchmal auch noch danach... Upsi ;-) Das liegt nicht daran, dass ich jemanden nicht mag, sondern daran, dass mir oft einfach partout nichts einfallen will. Und über das Wetter kann man sich auch immer nur eine gewisse Zeit lang unterhalten, ehe die Situation irgendwie seltsam wird.
Die Italiener (Achtung, jetzt folgt eine böse Generalisierung, aber ich rede hier von dem Fall, der mir zumindest sehr häufig begegnet ist), oder sagen wir lieber: Viele Italiener können sich einfach immer über ETWAS unterhalten. Schweigen wird hier als kein gutes Zeichen verstanden, ich fürchte, deswegen kommen Personen wie ich tendenziell eher desinteressiert rüber, auch wenn das natürlich absolut nicht der Fall ist. Aber im Ernst: Wenn ich hier in Italien eins gelernt habe, dann meinen Namen, mein Alter, mein Herkunftsland und meinen Studiengang fehlerfrei und ohne zu stocken aufzusagen. Danach ist das Gespräch entweder (hoffentlich) in Gang gebracht, oder aber schlichtweg beendet. Kommt auf den Gegenüber an. Das liegt natürlich zum Teil auch an meiner Erasmus-Situation, aber es zieht sich schon sehr stark durch den Alltag. Außerdem kann man ähnliche Situationen auch immer gut im Cafè oder anderen italienischen Treffpunkten beobachten (oder eben belauschen). Mitunter geht das auch in wirklich atemberaubenden, bis aufs äußerste komprimierten "10-Sekunden-Gesprächen", die sogar im Vorbeigehen, ohne stehen zu bleiben geführt werden können!
Mein persönliches Highlight war bisher ein "Gespräch", das ich während der Maueröffnung hier in Pisa mitbekommen habe. Auf dieser Mauer war es relativ schmal, sodass gerade so in jede Richtung eine Schlange an Menschen aneinander vorbeigehen konnte. Zudem war es am Nachmittag auch bereits recht voll, sodass definitiv keine Zeit war, um für einen Plausch anzuhalten. Vor mir sind sich dabei zwei Männer entgegengekommen, die sich erkannt haben, als sie noch ca 5 Meter voneinander entfernt waren. Sie hatten also tatsächlich nicht viel mehr als 10 bis 20 Sekunden Zeit, aber sie haben es tatsächlich geschafft, sich in dieser Zeit gegenseitig nach dem jeweiligen Befinden sowie nach dem des Bruders des einen und der Frau des anderen Mannes zu erkundigen, sich mitzuteilen, dass zur Zeit viel zu tun ist und auszumachen, dass sie sich natürlich auf jeden Fall bald wiedersehen werden. Ich war wirklich tief beeindruckt.
"Einfach eine schöne Sprache" und Warum die Italiener immer so viel "rumfuchteln"
Es ist schwer selbst zu beurteilen, wie sehr sich meine Sprachfähigkeiten tatsächlich verbessert haben. Aber natürlich bemerkt man, dass viele Kommunikationssituationen selbstverständlicher geworden sind und dass vor allem das Hörverstehen sich enorm gebessert hat (und dass Eros-Ramazzotti-Lieder auf einmal Sinn ergeben - der totale Wahnsinn). Es fallen mir aber auch tatsächlich immer wieder Unterschiede zwischen der deutschen und der italienischen Sprache auf. Manche Dinge kann man auf der einen, manche auf der anderen Sprache besser ausdrücken, und manche Dinge lassen sich auch schlichtweg nicht richtig übersetzen. Fluchen zum Beispiel ist auf einer Fremdsprache - mir zumindest - einfach nicht möglich. Es kommt immer auf Deutsch heraus, auch wenn die Italiener wahrhaftig genügend Kraftausdrücke in petto haben. Tatsächlich gibt es aber auch ein paar Ausdrücke, die ich verinnerlicht habe und die ich inzwischen gerne auch in meinen deutschen Sprachgebrauch einbaue. Zwei meiner Lieblinge:
"un grande casino" : Sehr vielseitig einsetzbar, bedeutet soviel wie Durcheinander oder Chaos. Ein casino kann dabei ein unaufgeräumtes Zimmer, aber auch ein Streit oder irgendeine chaotische Situation sein. Eigentlich passt es fast immer, wenn man sich über irgendetwas beschweren möchte und ist abgesehen davon auch einfach ein schönes Wort.
Nummer zwei: der berühmte "giro", den die Italiener tagtäglich in irgendeiner Situation durchführen. Das bedeutet direkt übersetzt "Rundgang". Man macht einen giro vor allem, wenn man in die Stadt geht, ob zum Shoppen gehen, zum Kaffeetrinken oder abends beim Ausgehen. Wahrscheinlich kommt das daher, weil hier das Ausgehen meistens vor allem darin besteht, von Bar zu Bar zu gehen und eigentlich nur draußen in der Gasse zu stehen und zu reden. Trotzdem ist "wir machen einen giro" inzwischen ein geflügeltes Wort in allen Lebenslagen geworden.
Nach wie vor finde ich das Italienische unglaublich schön und ich bin Tag für Tag stolz und froh, dass ich es immer mehr und inzwischen auch in einer gewissen Geschwindigkeit verstehen kann. Fast noch mehr ins Herz geschlossen habe ich allerdings die Zeichensprache und all die Handbewegungen, die man so machen kann. Das ist hier eine ziemlich große Sache und übrigens keineswegs einfach nur willkürliches Herumgewedele - das hat alles eine festgelegte Bedeutung! Ich habe dazu eine Theorie entwickelt, über die die meisten Leute zwar immer lachen, die ich aber trotzdem für ganz zutreffend halte. Anders als das Deutsche ist Italienisch manchmal nicht sehr präzise, d.h. viele Wörter haben mehrere Bedeutungen, die sich je nach Situation verändern können. Ein Beispiel: Während wir im Deutschen drei verschiedene Wörter für setzen, stellen und legen haben, gibt es im Italienischen ein einziges Wort, um auszudrücken, dass man einen Gegenstand irgendwo positioniert. Das geht einem auch mit vielen anderen Begriffen so und ist manchmal echt ein Problem, wenn man nach einem bestimmten Wort sucht und von Pons 10 verschiedene Vokabeln vorgeschlagen werden, die in der eigenen, "deutschen" Wahrnehmung einfach nicht zu passen scheinen. Deshalb finde ich es aber einleuchtend, dass die Italiener dafür soviel mehr Betonung in ihrer Sprache haben, manchmal viel lauter reden und vor allem eben ihre Hände zur Hilfe nehmen. Dadurch gleichen sie einiges an Unklarheiten oder eventuellen Missverständnissen aus. Ein paar davon benutze ich inzwischen sogar auch und vor allem mit meinen deutschen Freundinnen ist es immer ein riesiges Vergnügen, alle Handbewegungen nachzuahmen und in kompletter Übertreibung zu verwenden. Ich wollte ein paar davon hier beschreiben, aber ich habe es versucht und meine Beschreibungen waren so schlecht, dass ich damit vermutlich niemandem sonderlich helfen würde - aber es gibt ein paar ganz gute Videos auf YouTube, wenn sich jemand dafür interessiert. Macht wirklich Spaß!
Geselligkeit: Ist das zwanghaft?
Eine weitere Sache, die ich gelernt habe: Es ist wirklich schwierig, ein/n Italiener/in dazu zu überreden, sich zu zweit zu einem Kaffee (und dann auch noch um eine bestimmte Uhrzeit) zu verabreden. Ich weiß nicht, warum, aber irgendwie tut man das hier einfach nicht. Entweder ist das eine Beschäftigung, die Pärchen vorbehalten ist, oder es liegt daran, dass man Kaffee aus italienischer Sicht nur nach dem Mittagessen trinkt und ansonsten nur zum Frühstück herunterkippen darf, keine Ahnung. Ich glaube aber, ein wichtiger Punkt liegt in dem "zu zweit". Die meisten Italiener scheinen sich vor allem in großen Gruppen wohl zu fühlen. Wenn man sich mit 2 italienischen Freundinnen hier zur Mensa verabredet hat, konnte man immer davon ausgehen, dass das Ganze in einer ziemlich großen Menschenmenge endete. Man trifft immer unterwegs diese und jene Bekannten, die sich gerne anschließen und dann auch noch einen weiteren Freund anrufen, der gerade zu Hause losgegangen ist und auf den man doch auch noch kurz warten kann. Das kann auch ziemlich zeitintensiv werden, aber so ist das eben. Manche Dinge dauern einfach länger.
In nochmals gesteigertem Maße ist das übrigens auch bei Sizilianern zu beobachten. Ich spreche aus Erfahrung mit meinen beiden sizilianischen Mitbewohnerinnen und all den vielen Besuchern, die hier wöchentlich ein- und ausgehen. Für eine Person wie mich, der Freiraum und Privatsphäre einigermaßen wichtig sind, teilweise vollkommen unbegreiflich, aber aus ihrer Sicht eine absolute Selbstverständlichkeit.
Alle immer so freundlich?!
Man sagt den Italienern ja eine große Gastfreundschaft und Offenherzigkeit nach. Das kann ich, auch wenn es mich selbst sehr wundert und ich es mich kaum auszusprechen traue, nur teilweise bestätigen. Vielleicht geht man auch mit zu großen Erwartungen an die Sache heran, aber mitunter kommen mir die Italiener, an denen man tagtäglich vorbeikommt, auch nicht mehr oder weniger stoffelig vor als die Deutschen (es hört sich sehr seltsam an, von "den Italienern" und "den Deutschen" zu schreiben, aber ich hoffe, ihr wisst, was gemeint ist).
Manchmal finde ich es hier sogar noch schwieriger, auf der Straßen mit jemandem Blickkontakt herzustellen, geschweige denn ein Lächeln erwidert zu bekommen. Zumindest, wenn man mal von den paar Männern absieht, die wirklich jedes Klischee erfüllen und einen von oben bis unten mustern. Mit denen ist es nicht ganz so schwierig. Irgendwie zumindest.
In Restaurants oder anderen Geschäften fällt zum Teil sogar eine extreme Unfreundlichkeit auf. In Cafès ist es mir schon öfter passiert, dass man einfach komplett ignoriert wurde und nur mit Mühe auf sich aufmerksam machen konnte, um schließlich mit einem mürrischen Gesicht bedient zu werden. Zum Teil ist das womöglich damit zu rechtfertigen, dass man gerade hier in der Toskana der vielen Touristen einfach müde ist (jeder, der mal einen Nachmittag am Schiefen Turm verbracht hat, kann bestätigen, wie verrückt die alle wirken können), aber trotzdem überrascht es mich immer wieder. Vielleicht sieht das in Süditalien auch noch einmal anders aus als hier im eher nördlichen Teil Italiens. Diesen Nord-/Südunterschied kann man, glaube ich, in vielerlei Hinsicht kaum leugnen und ich könnte mir vorstellen, dass man die menschliche Wärme dort auch noch deutlicher spürt.
Hier in Italien bestehen meiner Meinung nach außerdem auch relativ feste Familien- und Freundeskreise, in die man von außen nur schwer aufgenommen wird. Der Freundeskreis meiner Mitbewohner zum Beispiel beschränkt sich im Wesentlichen fast ausschließlich auf Freunde aus ihrer Heimatstadt in Sizilien, die alle hier in Pisa studieren und die sich schon seit Ewigkeiten kennen. Da ist es natürlich nicht ganz einfach, sich zu integrieren, auch wenn alle absolut nett und freundlich sind. Ein gewisser Abstand bleibt irgendwie. Zu manchen kulturellen Hindernissen kommt dann natürlich auch noch meine Introversion hinzu - als selbstbewusste, kommunikative Persönlichkeit ist es sicherlich etwas einfacher, sich zu einer bestehenden Gruppe hinzu zu gesellen. Nichtsdestotrotz finde ich es sehr interessant, solche kleinen Unterschiede zu bemerken und zu verstehen, dass wir alle eben doch irgendwie von unserer Kultur geprägt sind. Auf der einen Seite ergeben sich so totale Differenzen und man fühlt sich fremd, während andere Dinge sich gar nicht so sehr unterscheiden. Wenn man nicht alles persönlich nimmt, ist das meiner Meinung nach eine große Bereicherung und lässt einen definitiv mal ein wenig über den eigenen Tellerrand blicken.
Der italienische Tagesablauf
In Italien findet einfach alles später statt. Anfangs hatte ich sogar das Gefühl, dass das Leben hier erst richtig anfängt, wenn ich für gewöhnlich schon schlafen gehen würde. Für Frühaufsteher wie mich ganz schön herausfordernd, und selbst ich habe mir inzwischen angewöhnt, morgens ein wenig länger zu schlafen, um nicht die ganze Wohnung zu "unmenschlichen Zeiten" (acht Uhr morgens!!) aufzuwecken. Morgens ist auch in den italienischen Straßen einfach überhaupt nichts los. Eigentlich müssen ja auch in Italien die Menschen morgens arbeiten, aber ich weiß wirklich nicht, wo die morgens alle stecken, wenn überall noch gähnende Leere herrscht. Eines meiner Lieblingscafés zum Beispiel hat vor elf Uhr gar nicht geöffnet.
Dafür besteht ab circa zehn Uhr am Abend ein unglaublicher Geräuschpegel in den Gassen von Pisa. Um diese Zeit sind alle Touristen von der Bildfläche verschwunden und man trifft auf die Italiener, die ihren allabendlichen Giro machen. Das macht man für gewöhnlich nach dem Abendessen, das manchmal sehr zu meinem Leidwesen auch gerne erst gegen 22 Uhr stattfinden kann, einer Uhrzeit, zu der ich schon längst verhungert bin. Meine Mitbewohner lächeln immer nur milde, wenn ich schon um 19 Uhr anfange mit den Töpfen zu klappern. Noch lustiger ist es, wenn wir uns nach einer von ihnen durchzechten Nacht am nächsten Mittag in der Küche treffen - sie beim Espressofrühstück und ich schon fröhlich beim Mittagessen. Gelegentlich schaffen wir es, auch mal zusammen zu essen, aber so ganz daran gewöhnt habe ich mich nach wie vor nicht. Aber es hat auch Vorteile: Morgens habe ich in der Küche absolut freie Bahn. Auch nicht schlecht.
Pisa: Viel mehr als nur der Turm
Zu guter Letzt noch ein paar Worte zu der Stadt, die ich im letzten halben Jahr kennen und lieben gelernt habe und von der ich definitiv sagen kann, dass sie mehr zu bieten hat als nur das am meisten fotografierte Monument Europas: Pisa.
Auch wenn nicht immer alles perfekt ist, habe ich mich hier doch sehr wohl gefühlt. Pisa hat auch neben dem Turm sehr schöne Ecken und ein paar Dinge sind mir inzwischen sehr vertraut geworden. Einmal ist das natürlich das Stadttor (meines ist die Porta a Lucca), durch das ich jeden Morgen hindurchgehe um in die Stadt zu kommen, und dann ist es doch wirklich etwas besonderes, dass ich täglich auf dem Weg zur Uni an der Piazza dei Miracoli vorbei musste und in der Morgendämmerung den Turm zwischen den Häusern habe auftauchen sehen. Ich finde den Domplatz in Pisa auch tatsächlich noch besonderer als die anderen toskanischen Plätze, die ich bisher gesehen habe, unter anderem Florenz und Siena. Auch wenn diese Kirchen unglaublich schön und prächtig sind, sind sie doch irgendwie "eingeklemmt" im Stadtzentrum und haben gar nicht wirklich den Raum, den sie bräuchten, um ihre volle Wirkung zu entfalten. In Pisa steht der Domkomplex frei und bietet dem Auge die Möglichkeit, seine ganze Größe wahrnehmen zu können. Dadurch, dass Turm, Dom und Taufkirche auch noch in weißem Marmor ohne große Akzente gehalten sind, hält die Piazza, was ihr Name verspricht: Sie wirkt tatsächlich ein wenig wie ein Wunder, nicht ganz von dieser Welt - eben ein Miracolo.
Noch viel charakteristischer als den Domplatz für Pisa finde ich aber die Arnopromenade. Schon Giacomo Leopardi hat gesagt, dass das Panorama des Arnos in Pisa einzigartig ist, und ich kann ihm da nur voll und ganz zustimmen. Bei jedem Lichtverhältnis und zu jeder Tageszeit wirkt das Bild ein wenig anders. Besonders mag ich den Fluss aber am Abend, wenn die Dämmerung das Licht noch nicht ganz ausgelöscht hat, die Straßenlaternen aber schon brennen und sich dann im dunklen Wasser spiegeln. Da wird es einem immer ein bisschen melancholisch zu Mute, aber auf eine schöne Art und Weise. Abgesehen davon kann man auch sehr gut am Ufer sitzen und ein leckeres Eis löffeln, das man zuvor an der Piazza Garibaldi gekauft hat. Dort gibt es nämlich das absolut beste Eis der Stadt. Solltet ihr unbedingt ausprobieren, wenn ihr mal in Pisa sein solltet. Und am Arnoufer schmeckt's besonders gut!
Ansonsten ist auch einfach Pisas Lage nicht zu verachten. Man ist sehr gut ans Verkehrsnetz angebunden und kann deshalb sehr gut die ein oder andere Reise mit Bus, Bahn etc. unternehmen. Und was für mich besonders wichtig ist: Es liegt ganz nah bei Lucca. Und Lucca kann einfach nichts toppen, in meinen Augen bleibt es die schönste Stadt in der Toscana. Sorry, Pisa ;-).
Alles, was ich hier mag
Insgesamt kann ich also sagen, dass mir meine Zeit hier in Pisa sehr gut gefallen hat, dass ich viel gelernt habe (im Allgemeinen und auch über mich selbst), aber dass ich mich in mancher Hinsicht hier auch oft "ziemlich deutsch" fühle, wenn man das so sagen kann. Das italienische Leben war auf jeden Fall eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte, aber für immer wäre es doch eher nichts für mich. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich nicht gerne immer wieder kommen werde.
Zum Abschluss habe ich noch eine kleine Auswahl an Dingen zusammengestellt, die ich hier lieben gelernt habe. Ja, ich weiß, es ist ein bisschen lebensmittel- und vor allem kaffeelastig, aber was soll ich tun? Ich bin hier nun mal in Italien, da kann man gar nicht anders.
Der Kaffee
Ich weiß absolut nicht, was ich tun soll, wenn ich in Deutschland keinen italienischen Cappuccino mehr haben werde. Zumal ich wahrscheinlich jedes Mal in Ohnmacht fallen werde, wenn ich die Preise für einen Kaffee sehe. Hier zahlt man (außerhalb der Touristenbrennpunkte) niemals mehr als 1,50€ für einen Cappuccino, der jeden Kaffee, den man in Deutschland bekommt, in den tiefsten Schatten überhaupt stellt.
Das "Dolce Pisa"
Das "Dolce Pisa" in der Via Santa Maria war unser treuer Begleiter in schweren (aber auch in den leichten) Uni-, Lern- und auch sonst allen Zeiten. Eindeutig mein Lieblingscafé hier in Pisa. Kaffee und Dolce sind hier einfach himmlisch. Zudem steht der wohl berühmteste gutaussehende Typ Pisas hinter der Theke, der öfter mal das Gesprächsthema bei den Mädels ist. Mein persönlicher Favorit ist aber der mit den Rastalocken, der immer alle rumkommandiert und bei dem man deshalb den Kaffee immer am schnellsten bekommt.
Nascondini
Eine ganz große Liebe: Die Nascondini-Kekse von der Marke Mulino Bianco. Kann die bitte ganz schnell jemand auch in Deutschland einführen? Bitte?
Scamorza
Ein italienischer Käse, der hier sehr viel gegessen wird (findet man im Supermarkt einfacher als Gouda) und den ich sehr lecker finde. Am besten ist er in der geräucherten Variante und zu erkennen an der lustigen zweigeteilten Form. Schmeckt zum Beispiel mit Kürbis überbacken seeehr gut.

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