ItaLIA #8: Klappe, die letzte
03. und 04. Dezember: "Auf der Mauer" und Schokoladenfest
Liebe Leute,
Das Jahr und die Halbzeit meines Aufenthaltes in Italien neigen sich immer stärker dem Ende zu! Ich habe keine Ahnung, wie das passiert, aber wieder mal vergeht die Zeit viel schneller, als ich bloggen kann. Deswegen bringe ich euch erstmal auf den neuesten Stand und füttere euch mit ein paar "älteren" Informationen des inzwischen bereits vorletzten Wochenendes. Das war nach der Gewaltstour durch Bologna und Parma erfreulich entspannt und hat unter anderem Schokolade beinhaltet. Los ging es damit, dass hier in Pisa die historische Stadtmauer für Besucher geöffnet wurde. In Pisa ist von der mittelalterlichen Mauer nur noch ein bestimmter Abschnitt im Nord erhalten, anders als in Lucca, in der die Mauer zum Beispiel noch vollständig besteht. Trotzdem ist auch die Pisaner Mauer begehbar, wenn sie auch ganz anders aufgebaut ist. Hier hat man nur einen relativ schmalen Gang, auf dem man entlanggehen kann, aber nichts destotrotz eröffnet sie eine ganz andere, frische Perspektive auf die altvertrauten Straßen sowie natürlich auf den Turm und die Piazza dei Miracoli. So ist es auch gekommen, dass es endlich ein Bild von mir gibt, auf dem der schiefe Turm (zumindest im Hintergrund) zu sehen ist...
Für Neugierige kurz ein paar Informationen zur Mauer, eigens aus meinem Flyer abgeschrieben:
Die Konstruktion der Mauer im Norden Pisas begann im Jahr 1154 und wurde 1284 vollständig abgeschlossen, im südlichen Teil sogar erst 1186.
Der Umfang betrug früher insgesamt 6435 Meter (der nördliche Teil 4678m, der südiche nur 1757m), heute sind davon noch 4900 Meter (fast alles davon im Norden) übrig. Die Mauer war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts noch erhalten, wurde dann aber aus Expansionsgründen teilweise abgerissen.
Und abschließend: Die Höhe der Mauern beträgt im Durschschnitt 10 Meter.
Besonders hat mir die "grüne" Aussicht auf den Turm gefallen, die man auf dem Foto unten zumindest ein bisschen erkennen kann, denn die Mauer führt an einigen Gärten vorbei, die man von den Straßen aus nicht mal erahnt. Orangen und Zitronen gibt es da übrigens auch sehr viele. Ich habe mich aber leider nicht getraut, eine mitgehen zu lassen.
Mit dem Voranschreiten der Zeit kamen aber immer mehr Menschen auf die gleiche Idee wie wir, und irgendwann hat es keinen Spaß mehr gemacht, sich auf dem schmalen Weg an all den Schaulustigen vorbeizudrängeln, weswegen wir dann doch bald den Abstieg gewagt und uns dem zweiten Punkt der Tagesordnung gewidmet haben: Dem Schokoladenfest im Borgo Stretto, wo es Stände voller Schokolade in jeder Geschmacksrichtung gab, die man sich so vorstellen kann. Hätte ich gekonnt, hätte ich mich überall einmal durchgefuttert. Aus finanziellen Gründen haben wir uns aber letztlich alle mit einer Kostprobe zufrieden gegeben. War trotzdem echt ein Augenschmaus... was für ein Wortspiel!
Der Sonntag dieses Wochenendes war hingegen nicht sonderlich spektakulär - ich habe gelernt, oder zumindest so getan. Naja, eine Mischung aus beidem würde ich sagen. Aber zu lernen gibt es definitiv genug. Allein für meinen Literaturkurs muss ich so viel lesen, dass mir schon jetzt ganz anders wird. Noch versuche ich aber, nicht in Schnappatmung zu verfallen, sondern gelassen zu bleiben. Noch.
Aber jetzt erstmal weiter im Text; wir machen den Sprung zur folgenden (aus meiner Perspektive also der letzten) Woche!
Die folgende Woche: Besuch aus Deutschland
Nachdem ich am Dienstag meine Sprachkursprüfung (zum Glück nicht allzu schwer) hinter mich gebracht hatte, habe ich am Mittwoch in aller Herrgottsfrühe lieben Besuch aus Deutschland bekommen. Die Nachtzüge kommen nun mal ziemlich früh an. Aber so hatten wir immerhin den ganzen Tag noch vor uns, unter anderem zum Frühstücken, Eis essen, Möwe am Arno fotografieren (ist das Foto nicht MEGA cool?!) und... anderen schönen Dingen.
Wir hatten außerdem wahnsinniges Glück mit dem Wetter (das glücklicherweise bis jetzt, eine Woche später, angehalten hat). Es ist schon verrückt, es ist Mitte Dezember und der Himmel ist strahlend blau, in der Sonne ist es bisweilen fast schon angenehm warm und überall sieht man reife Orangen an den Bäumen hängen. Es ist nicht mal besonders kalt, auch wenn sich die Italiener ständig beschweren, wie "freddo" es sei - eine glatte Lüge, im Ernst!
Orangenbäume gibt es übrigens auch in Massa. Dorthin zu fahren war eine relativ zufällige und unüberlegte Idee von mir. Ich hatte irgendwo mal gehört, dass es ganz schön sein soll und bin eigentlich nur darauf gekommen, weil der Zug nach Pietrasanta vor ein paar Wochen nach Massa weitergefahren wäre. Deshalb habe ich es meiner Freundin vorgeschlagen und wir sind kurzerhand hingefahren und es ist, obwohl ich mir von diesem Ausflug am allerwenigsten versprochen hatte, ein richtig schöner Tag in einer genauso schönen Stadt geworden. Massa ist viel größer und interessanter, als ich mir vorgestellt habe! Es ist nicht sonderlich touristisch, vor allem natürlich jetzt im Dezember nicht, was ich sehr angenehm finde, und tagsüber recht beschaulich und fast ein wenig verschlafen. Es gibt eine sehr schöne Piazza voller Orangenbäume (siehe unten), was in Verbindung mit dem schönen Wetter und strahlendem Sonnenschein für ein fast schon sommerliches Feeling gesorgt hat. Der Weihnachtsmarkt hat deshalb ein wenig fehl am Platz gewirkt ehrlich gesagt. Überhaupt sind die "Weihnachtsmärkte" hier einfach nicht das selbe wie bei uns - vielleicht liegt es an den fehlenden Glühweinständen?!
Nachdem wir eine Weile durch die Stadt gewandert sind, haben wir dann Hunger bekommen. Leider zu einer für italienische Verhältnisse eher ungünstigen Zeit, denn es war schon deutlich nach dem pranzo und während der siesta - nach 14 Uhr ist hier für gewöhnlich weit und breit kein Restaurant oder ähnliches mehr geöffnet. Und dann ist uns etwas ziemlich cooles passiert:
Meine Freundin hat irgendwann gesagt: "Jetzt so ein Bagel, das wäre es..."
Und was soll ich sagen? Nicht mal 15 Minuten später standen wir vor dem Geschäft, das ihr unten in der Galerie sehen könnt: "Bagels & Co." Dazu muss gesagt werden, dass solche "Hipster"-Läden hier echt selten sind. Gerade ein Bagel-Café habe ich noch nie irgendwo gesehen. Da war das Universum jedenfalls mal definitiv auf unserer Seite. Ich finde, solche kleinen schicksalsträchtigen Zufälle machen einen immer auf ganz eigene Weise glücklich.
Frisch gestärkt haben wir uns dann jedenfalls an einen ziemlich steilen Aufstieg gemacht - nämlich auf die Burg von Massa. Und die ist wirklich unfassbar schön, geschichtsträchtig und... einfach spannend! Sie kommt noch aus dem Mittelalter, wurde aber bis zur Renaissance (vielleicht auch noch später, ich bringe Geschichtsepochen leider immer durcheinander) von verschiedenen Familien um- und ausgebaut. Man kann frei durch das gesamte Gelände durchlaufen, es ist kein Museum oder so was. Nur gelegentlich stößt man mal auf eine Infotafel, aber ansonsten ist man allein mit seiner Fantasie und den Geschichten, die die Mauern einem zuzuflüstern scheinen. Man hat fast schon das Gefühl, die Historie einatmen zu können, wenn man auf der Verteidigungsmauer entlang spaziert, an dem Dienstboteneingang vorbeikommt oder das Speisezimmer mit Kamin betritt.
Wir haben uns mehrere Stunden dort aufgehalten, einfach weil es so viel Spaß gemacht hat, jeden Gang und Winkel zu erkunden und, während man durch ein Fenster in die toskanischen Berge schaut, über das Leben zu philosophieren. Besonders magisch wird die Stimmung übrigens dadurch, dass man von der Vorderseite des Burggeländes das Meer, und im Hintergrund die Berge sehen kann. Wirklich wahnsinnig schön, sollte irgendjemand mal in der Gegend hier sein, kann ich Massa alleine wegen dieser Burg nur wärmstens empfehlen. Von Pisa aus mit dem Zug ganz einfach zu erreichen!
Von dem höchsten Punkt der Burg aus, wo es eine Art von Zinnen gesäumte Aussichtsplattform gibt, haben wir dann den Sonnenuntergang abgewartet. Die Zeit bis dorthin haben wir uns damit vertrieben, tausend dämliche Selfies zu machen (Generation Selfie at its best, ja ja, ich weiß, aber das Licht war so gut!) und schöne Musik zu hören, weil die Stimmung so.. einzigartig war. Als wäre die ganze Welt auf einmal einfach in Ordnung, und man selbst ein wichtiger, selbstverständlicher Teil davon. Bevor es noch kitschiger wird, ende ich jetzt lieber ganz pragmatisch: Der Sonnenuntergang war wirklich sehr sehr schön und wolkenlos. Danach konnten wir beruhigt zurück in Richtung Bahnhof gehen und dann zurück nach Pisa fahren.
Massa war tatsächlich irgendwie das Highlight der Woche, aber auch die restlichen Tage waren schön entspannt und außerdem wieder einmal recht Pizza-lastig. Aber was will man machen? Die ist eben einfach wirklich gut hier. Vor allem in Marina di Pisa, wo wir am Freitag hingefahren sind (ich führe schließlich jeden Besuch dorthin, ob er will oder nicht). Dieses Mal habe ich es auch geschafft, mal ein Bild von dieser himmlischen Käse-Pizza zu machen! Das Meer war übrigens auch wie gewohnt sehr schön (so viel zu meinen poetischen Beschreibungen).
Samstag waren wir dann in Florenz, wo es diesmal tatsächlich geklappt hat mit dem Eintritt in die Boboli-Gärten, anders als beim letzten Mal, als ich dort war. Und dieser Garten ist wirklich RIESIG. Die Gärten gehören zum Palazzo Pitti, der zuerst einem reichen florentinischen Bänker namens Pitti - wow - und später dann der Familie Medici gehört hat (genauer gesagt glaube ich Cosimo Medici). Es fällt einem allerdings schwer zu glauben, dass in diesem Garten die edlen Damen von damals flaniert sind, denn meine Herren, das sind wirklich steile Berge da drin. Ich spare die Beschreibung des Abendessens an diesem letzten Tag aus. Ihr könnt es euch selbst denken...
Am nächsten Morgen war es dann aber schon so weit und für meine Freundin ging es wieder ab nach Hause - wohin ich ihr ja auch in sehr naher Zukunft folgen werde!
Inzwischen ist die Vorlesungszeit nämlich schon vorbei; meine letzte Vorlesung hatte ich am Mittwoch, den 14.12. Seither habe ich ehrlich gesagt aber nicht wirklich mehr Zeit, sondern eher mehr Stress, denn langsam fällt mir auf, dass ja nicht nur das neue Jahr, sondern nach meiner Rückkehr auch meine Prüfungen immer näher rücken! Vor allem für meinen Literaturkurs habe ich unanständig viele Texte zu lesen, und unerwarteter Weise habe ich diese Woche noch erfahren, dass sogar noch mehr dazukommen. Ich bin also gerade dabei, vor meiner Abfahrt noch so viel wie möglich zu schaffen.
Während ich das hier gerade schreibe, ist übrigens inzwischen der Samstag vor der Abreise, und heute wird meine Freundin aus Siena hier ankommen, damit wir dann am Dienstag zusammen abfliegen können.
Tja, meine lieben deutschen Freunde, bald bin ich wieder im Lande! Eigentlich wollte ich gerne in diesem Jahr noch einen letzten Blogpost schreiben und ein kleines erstes Resümee ziehen. Ich werde mal schauen, wie ich das so schaffe. Aber auch wenn es ein wenig später passieren sollte als geplant, werdet ihr noch in den Genuss meines Vergleichs deutscher und italienischer Kultur kommen, versprochen!
Wir hören uns wieder (und je nachdem, vielleicht sehen wir uns ja sogar?!)
Bis bald und schon mal Buone Feste allerseits,
Lia








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