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ItaLIA #4: Ognissanti

ItaLIA #4: Ognissanti oder: die Zeit vergeht im Flug

Ich bin im Verzug. Ich wollte schon die ganze Zeit über das letzte verlängerte Wochenende zu Ognissanti (zu deutsch: Allerheiligen) berichten, und inzwischen war schon wieder einmal mehr Wochenende und jetzt ist Montagmorgen. Vielleicht liegt es daran, dass die letzte Woche dank so vielen freien Tagen einfach zu kurz war. 

Trotzdem kann ich euch dieses Wochenende nicht einfach vorenthalten, denn es war eines von den guten! Eigentlich war überhaupt nichts Besonderes geplant, aber wie das immer so ist, machen die spontanen Dinge, von denen man sich gar nicht allzu viel verspricht, letztlich immer am meisten Spaß! Es war einfach richtig entspannt, schön, in netter Gesellschaft... Aber lest selbst. 

Es ging bereits Freitagabend los, als eine Freundin (ebenfalls aus Deutschland, aber hier in Pisa kennengelernt) und ich zur Chorprobe der Gemeinde San Frediano gegangen sind. Es war die letzte Chance für uns, noch in einen Chor aufgenommen zu werden, denn sämtliche Uni-Chöre, bei denen wir es schon versucht hatten, wollten uns Erasmusstudenten nicht. Übrigens eine totale Unverschämtheit, wie ich finde... Aber wie auch immer, letztlich ist auch das gar nicht so schlimm, denn dieser Chor war wirklich nett!


Es ist ein Kirchenchor, aber auf eine eigene Art und Weise sind auch diese Lieder schön, und wirklich alle Studenten, die dort mitsingen, haben uns sehr nett aufgenommen und waren zum Großteil auch noch ganz begeistert, "waschechten" Deutschen zu begegnen. 

Lustig ist die Probenzeit: Freitagabend um 21 Uhr geht es los, und vor Mitternacht ist eher nicht mit einem Ende zu rechnen. Interessant, aber kann man ja mal machen. Ich als Nicht-Partymaus finde das sowieso nicht so schlimm. Was mich aber zum nächsten Thema führt, denn an diesem Freitagabend habe ich eine für mich neue Erfahrung gemacht: 

Ich habe meinen Mädels vorgeschlagen, auf eine Party zu gehen und keiner wollte mit. Ja, ganz recht: ICH wollte hingehen. Und konnte nicht, weil keiner mitgekommen ist. Ich bin immer noch ein bisschen verwirrt, wenn ich genauer darüber nachdenke. Man muss vielleicht dazusagen, dass es eine 90er-Party gewesen wäre. Fand ich irgendwie cool! Hat mein Aufenthalt hier etwa schon erste Spuren hinterlassen? Wer weiß. Es geschehen jedenfalls noch Zeichen und Wunder. 

Samstag 29.10.16: Castiglioncello (ich werde den Namen nie auswendig sagen können)

"Als ehemals etruskische Siedlung liegt Castiglioncello auf einem kleinen Vorgebirge, das den letzten Ausläufer der Berge von Livorno bildet. Der international beliebte Urlaubsort hat als "Perle des Tyrrhenischen Meeres" einen einzigartigen Zauber. Liebhaber von Seawatching oder Tauchbegeisterte sowie Angler treffen sich zusammen mit Seglern und Windsurfern an dieser Küste."

(geklaut bei: http://www.costadeglietruschi.it/mittelmeer_toskana/castiglioncello.asp )

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Nachdem ich den Samstagvormittag mit ein bisschen Unikram verbracht habe (was einem ja immer das gute Gefühl gibt, etwas produktiv gewesen zu sein), haben besagte Chor-Freundin und ich einen Ausflug nach Castiglioncello gemacht. Und nein, ich hatte von diesem Ort vorher auch noch nie etwas gehört und ich musste einige Male üben, ehe ich den Namen ohne Ablesen einigermaßen artikulieren konnte. Wir haben unsere italienischen Freundinnen hier aus Pisa (die ihr Erasmus-Semester in Deutschland gemacht haben, ist eine witzige Sache) um Rat gefragt, was wir unternehmen können, möglichst am Meer, und haben diese Empfehlung bekommen. Zu Recht, wie wir festgestellt haben. 

Das Städtchen hat einen typischen italienisch-goldigen Charme und hat eine reizvolle felsige Küste. Unten in der Galerie sieht man, WIE felsig und wie glamourös ich diese mit meinen Ballerinas bezwungen habe. Der befestigte Weg, der am Meer entlangführt, hört nämlich irgendwann einfach auf. Eine Frau hat uns aber gesagt, wir könnten kurz diesen unbefestigten Weg überqueren und dann auf der rechten Seite ganz einfach über eine Treppe wieder zur Straße gelangen. Auf eine Einheimische haben wir natürlich gehört. Es gab auch tatsächlich eine Treppe. Nur standen wir dann plötzlich in einem offensichtlich privaten Garten. Der von einer Mauer umgeben und dessen Tor abgeschlossen war. Zum Glück sah das Haus relativ verlassen aus, aber die Situation war trotzdem... irgendwie absurd und zum Totlachen. Da die Faulheit, nicht den ganzen Weg zurücklaufen zu wollen, größer war als unser Unrechtsbewusstsein, sind wir also wie zwei Einbrecher (nur, dass wir eben Aus-brecher waren) über die Mauer geklettert. Nicht sehr elegant leider. Siehe unten. 

Nach einem weiteren Sonnenuntergang am Meer und einer kleinen Erkundungstour durch die kleine Innenstadt war es dann Zeit fürs Abendessen und es gab (nach anderthalb Monaten fast ein bisschen peinlich) zum ersten Mal KEINE Pizza, sondern: 
Burger (vegetarisch, versteht sich) mit Pommes! 

Es waren die ersten Pommes, die ich in Italien gegessen habe, und es war göttlich! Das Gefühl, in "Bella Italia" einen Burger zu verputzen, war ehrlich gesagt ein bisschen, als würde man gegen irgendeine ungeschriebene Regel verstoßen. Aber eigentlich ist das ja totaler Quatsch. Wir wohnen jetzt schließlich hier, und was ist schon ein Leben ohne Pommes? 

Impressionen eines schönen und "abenteuerlichen" Nachmittags

Sonntag 30.10.16: Eine Fahrradtour "fuori di Pisa"

Am Sonntagvormittag habe ich mit zwei Freunden und dem (italienischen) Bekannten von einer der beiden (Herrje, ist diese Anonymisierung kompliziert) bei bestem Wetter eine Fahrradtour gemacht, und ich kann nur sagen: 
Oh man, die Landschaft zwischen Pisa und Lucca ist SO schön! Wir sind am Fluss Serchio entlanggefahren, vorbei an der Burg, die man rechts sehen kann und deren Namen ich vergessen habe, und haben viele schöne Berge und Landschaften bewundern können. K. (ich verwende jetzt einfach Abkürzungen) und ich haben uns die beiden letzen verfügbaren Fahrräder Pisas ausgeliehen, und los ging es. Wir mussten wegen eines Termins von A. (Freundin Nr. 2) mittags schon wieder zurück, aber ich hoffe inständig, dass es nicht unsere letzte Tour gewesen ist. Der Bekannte von K. (in diesem Fall MUSS ich den Namen nennen, weil ich ihn einfach urkomisch finde: GIAN FRANCESCO) kennt sich sehr gut aus, was Fahrradfahren in und um Pisa angeht, und einen persönlichen Tourguide zu haben, ist natürlich sehr sehr praktisch. 

Und auch diesen Tag haben wir wieder mit einem Gaumenschmaus beendet: K. und ich haben zusammen meine berüchtigte Kürbislasagne gemacht. Die ist ein-fach gött-lich! Und dauert dreitausend Jahre in der Zubereitung, aber das ist es wert! Wir haben bei K. gekocht, denn die gesamte letzte Woche war die Küche in meiner WG Komplett-Baustelle wegen eines Rohrbruchs. Seit gestern ist es aber zum Glück wieder in Ordnung und ich bin SEHR glücklich, nach über einer Woche die Küche wieder benutzen zu können. In Italien dauert eben alles immer etwas länger. 

Montag 31.10.16: Florenz, die Zweite

Am Montag ging es dann für mich ein weiteres Mal auf nach Florenz, um meine liebe Freundin H. aus Siena wiederzutreffen! Wir haben uns viel zu lange nicht gesehen und es war richtig schön, sie mal wieder in den Arm zu nehmen und einen gemütlichen Tag zusammen zu verbringen. Das Wetter war nach wie vor traumhaft, und wir hatten vor, in die B-Gärten (eigentlich Boboli-Gärten, aber nach unzähligen Versprechern haben wir uns auf diese verkürzte Form geeinigt) zu gehen. Wie es aber das Schicksal nun mal immer so will, sind die Gärten jeden ersten und letzten Montag im Monat geschlossen. Ist halt blöd, wenn man sich vorher nicht informiert, aber wie hätten wir das auch ahnen sollen... Dass am schönsten Tag des Monats einfach zu ist! Nun ja, wir haben trotzdem einen Spaziergang ein bisschen außerhalb rund um die Gärten herum (leider alles hinter Gittertoren weggesperrt) gemacht, was aber auch idyllisch und grün war.  Eine willkommene Erholung von dem nach wie vor anhaltenden Touristen-Gedränge im Stadtzentrum. Mein persönliches Highlight war, wie wir uns auf eine "Aussichtsplattform" verirrt haben, die sich letztlich als privater Hinterhof herausgestellt hat. Aufgefallen ist uns das erst, als uns eine ältere Frau wie ein Rohrspatz schimpfend wieder vertrieben hat. Unsere Entschuldigung wollte sie nicht versöhnlicher stimmen, und besonders gefreut hat sie sich, als gleich zwei weitere Touristen eintreten wollten, nachdem sie uns gerade erfolgreich in die Flucht geschlagen hatte. Wir konnten nicht mehr vor Lachen. Ich stelle immer wieder fest, dass man sich von den älteren Damen hier in Italien wohl besser fernhält. Mit denen ist nicht gut Kirschen essen... 

Zu guter Letzt habe ich mich auf dem Ledermarkt in Florenz noch in eine Tasche verguckt, die ich seither nicht mehr aus dem Kopf bekomme... Schlimm, wir Frauen mit unserem Shopping-Gen. Wie ich mich kenne, werde ich nach dem nächsten Besuch in Florenz um eine Tasche reicher sein. 

Nicht zu vergessen: Am Montag war ja auch Halloween! Die Italiener scheinen total drauf zu stehen. Jeder Laden war geschmückt, und als ich Montagabend vom Bahnhof nach Hause gelaufen bin, bin ich ziemlich vielen gruseligen Gestalten begegnet. Und das waren nicht alles verkleidete Kinder, sondern auch viele Erwachsene. Ist irgendwie ein großes Ding hier. Ursprünglich waren meine Mädels und ich auch auf eine Halloweenparty an irgendeiner Brücke in der Nähe von Lucca eingeladen, aber alle Anderen sind schon sehr früh dorthin gefahren, sodass meine Freundin A. (quasi A2) und ich es beide nicht pünktlich geschafft haben. Deshalb sind wir dann kurzerhand zu zweit losgezogen. Ich bin selbst ganz beeindruckt von mir! Zumal wir erst nach zehn Uhr abends losgegangen sind. Das italienische Leben macht merkwürdige Dinge mit mir. Aber wie auch immer, vorher saß ich sogar noch ein bisschen mit meinen Mitbewohnerinnen und deren Freunden zusammen. Bei der Gelegenheit musste ich mir übrigens von einem ihrer Freunde einen Vortrag über die Relevanz Dantes in der Weltliteratur anhören - es war sehr amüsant. Meine Bemerkung, dass in deutschen Schulen Dante eigentlich überhaupt nicht durchgenommen wird, hat ihm gar nicht gefallen. Bezüglich dessen ist mit den Italienern wirklich nicht zu spaßen. 

Jedenfalls war ich später dann noch mit A. etwas trinken und anschließend noch in einem Laden, der sich Lumière nennt. Das ist ein ehemaliges Kino, in dem jetzt meistens Livemusik gespielt wird. Ein bisschen wie ein Club. Oder so. Ich habe keine Ahnung, ich kenne mich da schlecht aus, aber ich muss sagen, dass es echt ganz cool war. Zuerst war eine Country-Band da, und später konnte man dann tanzen. Die Musik war richtig gut (ein Umstand, der in Clubs meiner Meinung nach eher selten auftritt). Besonders angenehm war, dass dort nicht so viele baggernde, anstrengende Italiener anwesend waren, wie in den Bars , in denen sich die Erasmus-Studenten hier sonst so aufhalten. Und obwohl wir nur zu zweit waren, hatten wir wirklich Spaß. Die Abende, von denen man am wenigsten erwartet, sind letztlich eben immer die besten. 

 

Dienstag 01.11.16: Ognissanti oder: Es gibt auch faule Tage oder: Hilfe, wir sind eingesperrt!

Den eigentlichen Feiertag, nämlich den Dienstag, habe ich zugegeben ziemlich faul verbracht. Genauer gesagt war ich die Unproduktivität in Person, und das, obwohl ich eigentlich lernen wollte. Im Endeffekt habe ich bis 17 Uhr nichts gemacht, außer fleißig zu prokrastinieren. Schlimm, aber ich entschuldige mich damit, dass ich dafür ja die vorigen Tage ziemlich aktiv war. 

Das Haus habe ich erst verlassen, als ich mich am späten Nachmittag nochmal mit meiner Freundin A. (genau, die von Montagabend) getroffen habe, um in den Botanischen Garten zu gehen. Das ist für Pisaner Studenten wie uns nämlich kostenlos. Übrigens kann man von einem unserer Vorlesungssäle (während wir Dante lesen quasi!) direkt in den Garten sehen. 

Wir sind also in den Garten gegangen und haben vorher extra noch am Eingang gefragt, bis wann geöffnet ist. Die Antwort war: bis 18  Uhr. A. und ich haben uns dann alle Bäume und Büsche (sehr hübsch übrigens) angesehen und haben uns anschließend auf eine Bank im Grünen gesetzt, um ein paar wichtige Mädchen-Angelegenheiten zu besprechen; unter anderem eines meiner persönlichen Lieblingsthemen: Grey's Anatomy. Vorsorglich sind wir dann aber um wohlgemerkt zehn Minuten vor sechs wieder in Richtung Ausgang gegangen... Nur um diesen abgeschlossen vorzufinden. Mit einer Kette. Und mit keinem Menschen weit und breit zu sehen. Es war das Highlight meines Tages. Der Adrenalinspiegel ist dann für diesen Tag doch nochmal beträchtlich in die Höhe geschnellt! Ich habe mich schon zum zweiten Mal an diesem Wochenende über eine Mauer klettern sehen. Nur wäre diese wesentlich höher gewesen. Nach einer hektischen Runde durch den Garten auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit haben wir dann Gottseidank ein noch geöffnetes Museumsbüro gefunden, durch das wir, gefolgt von ein paar pikierten Blicken, nach draußen geflohen sind. Nach dem ersten Schock sind wir erstmal in Gelächter ausgebrochen - wie absurd, man stelle sich vor, wir hätten die Nacht auf der Gartenbank verbringen müssen! 

 

Zum Glück sind wir diesem Schicksal entgangen, und zum Abschluss des Tages sind wir dann sogar nochmal richtig motiviert und fleißig gewesen und sind zusammen joggen gegangen! Am östlichen Arnoufer, am Polo Piagge (ganz in der Nähe, wo ich früher gewohnt habe) gibt es eine Art Outdoor-Fitnesspark mit verschiedenen Sportgeräten, zu dem wir gelaufen sind. Meiner Meinung nach ist es eher ein Spielplatz für Erwachsene, aber nichtsdestotrotz haben wir brav alle Übungen einmal durchgemacht und konnten dann am nächsten Tag mit dem guten Gefühl des Muskelkaters in die kurze neue Woche starten. 

Das war es für heute von mir. Viele Grüße übrigens an alle, die hier seit neustem nun auch mitlesen (Danke, Mama :D)! 

Alles Liebe und Over and out! 

Lia 

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Kommentare: 1
  • #1

    Gerald (Mittwoch, 16 November 2016 11:56)

    Liebe Julia, dass liest sich ja super. Es freut mich zu lesen das Du viel Spass hast.
    Ich werde mit Sabine auf der Zugfahrt morgen nach Berlin, wo wir bis Montag abend sind, die anderen Blogs lesen.
    Herzliche Grüße und eine Briese Neid, wenn man das traumhafte Wetter sieht
    Gerald