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ItaLIA #3: Besuch!

ItaLIA #3: Ein Stück Heimat

Die letzte Woche habe ich meinen ersten Besuch hier in Pisa gehabt! Und zwar hat meine Mama den langen Weg auf sich genommen und ist zu mir hierher gedüst. Wirklich verrückt, dass die Zeit schon wieder so weit fortgeschritten ist - ich bin jetzt schon über einen Monat hier! Und so blöd das klingt, bin ich noch nie länger von meiner Mutti getrennt gewesen als jetzt. Hach, ich bin schon so viel selbständiger geworden... Aber Spaß beiseite. 

Umso mehr habe ich mich natürlich gefreut, dass sie mich besuchen gekommen ist. Zumal ich ja weiß, wie ungerne meine Mama auf Reisen ist. ;-) Jedenfalls war es ein eigenartiges Gefühl; so als hätten sich meine beiden Welten - die von zu Hause und die neue hier in Pisa - durch ihren Besuch quasi kurz berührt. Etwas Altvertrautes in einem ganz neuen Umfeld. 

Bevor ich aber noch weiter philosophiere, berichte ich lieber von der schönen Woche, die wir zusammen verbracht haben. Am Donnerstagabend, nachdem sie angekommen war, bestand unser Programm nur noch darin, dass ich mit dem (sehr freundlichen) Hotelportier verhandelt habe, selbstverständlich auf Italienisch, und in einer leckeren Pizza an der Piazza Dante. Pizza und Piazza - zwei Worte, die Mama witziger Weise immer sehr gerne verwechselt hat, aber das ist eine andere Geschichte... 

Freitag, 21. Oktober 2016

Nach einem typisch italienischen Frühstück im Cafè dei Cavalieri (da am Piazza dei Cavalieri gelegen) mit Cornetto und Cappuccino musste ich mich noch kurz meinen universitären Verpflichtungen widmen, während Mama ihre erste Erkundungstour durch Pisa unternommen hat. 

Und dann habe ich den freien Nachmittag und Abend dazu genutzt, sie in einen meiner Lieblingsorte hier einzuführen: Marina di Pisa natürlich.

Und was soll ich sagen, es hat sich mal sowas von gelohnt, denn wir haben einen der schönsten Sonnenuntergänge, die ich jemals gesehen habe, miterlebt, und das ist keine Übertreibung! Was ich allerdings dabei gelernt habe: Sonnenuntergänge muss man erleben, man kann sie nicht fotografieren. Das Ergebnis kommt nämlich in keiner Weise an das echte Erlebnis heran.  

Zum krönenden Abschluss gab es dann wieder die beste Pizza in der besten Pizzeria. Cinque Formaggi, muss ich da noch etwas hinzufügen?! 

 


Samstag, 22. Oktober 2016

Am Samstag ging es dann zu einem weiteren meiner Herzensorte: nach Lucca, in das ich mich jedes Mal aufs Neue verliebe. 

Das Besondere an Lucca ist nicht eine bestimmte Sehenswürdigkeit oder ein spezieller Ort. Es ist einfach die Atmosphäre, die in den hübschen Gassen herrscht. Lucca ist zudem eine der seltenen Fälle, in denen die gesamte historische Stadtmauer noch erhalten ist. Dadurch hat man das Gefühl, man betritt eine ganz eigene Welt, wenn man durch eines der Stadttore tritt. Für mich hat es immer wieder eine gewisse Magie. Das Besondere ist zudem, dass man auf der Stadtmauer, die wie ein Park benutzt wird, entlangspazieren kann. 

Ich muss ehrlich zugeben, dass einer meiner Gründe, mich für Pisa zu entscheiden, die Nähe zu Lucca war. Deshalb musste natürlich auch Mama unbedingt in den Genuss kommen, Lucca einen Besuch abzustatten. Was ich nicht bedacht hatte: Dass in der Stadt gerade bereits die Vorbereitungen für das riesige "Lucca Comics"- Event (ein Fest mit ganz viel Verkleidung und ich weiß nicht, was noch alles) liefen und überall überdimensionierte weiße Zelte herumstanden. Deshalb hatte es auch herzlich wenig Sinn, Fotos zu machen, denn wie gesagt - alles Wichtige ist hinter den Zelten, die man unten in der Galerie sehen kann, verschwunden. Aber nichtsdestotrotz war es ein sehr schöner, entspannter Tag, an dem wir einmal mehr alle Piazzas und weiteren schönen Orte Luccas wie zum Beispiel das Anfiteatro abgeklappert haben. Außerdem sind wir noch einmal an der Schule vorbei gelaufen, in der ich letztes Jahr meinen Sprachkurs gemacht habe. Nicht sehr spektakulär, aber für mich auch ein schönes Erlebnis. Kleines Highlight für mich war außerdem, dass ich meine Gastmutter Tiziana für einen Kaffee auf der Piazza San Michele getroffen habe. Sie ist für mich der Inbegriff des italienischen Lebens, sie ist immer so fröhlich und aufgeweckt. Ich habe mich sehr gefreut, sie nach einem Jahr endlich einmal wieder zu sehen und ich bin mir sicher, dass es nicht das letzte Treffen war! 

Alles in allem war es ein gelungener Tag, den wir dann gemütlich in Pisa haben ausklingen lassen...    

... und zwar bei dem ersten Glas Wein, das meine Mama und ich jemals zusammen getrunken haben! Kaum zu glauben, aber mein Leben hier in Italien hat mich tatsächlich doch damit anfangen lassen, gelegentlich mal ein Glas Wein zu trinken. Rotwein finde ich nach wie vor ziemlich eklig (sorry, Chianti), aber mit Weißwein kann ich mich anfreunden, wenn er nicht zu trocken ist. Wir waren jedenfalls in der Bar "Eleven" nahe dem Corso Italia, wo ich Mama in das hiesige System des "Apericenas" eingeführt habe. Sie hat genauso wie ich reagiert am Anfang - total verwirrt darüber, dass es zum Aperitif einfach so ein Buffet dazu gibt, an dem man sich bedienen kann, so viel man möchte. Gang und Gebe hier, kann ich euch versichern. Inzwischen habe ich mich schon so daran gewöhnt, dass ich mich nächstes Jahr zurück in Deutschland wahrscheinlich jedes Mal total wundern werde, wenn ich zu meinem Cocktail in der Bar kein Abendessen bekomme. 

Jedenfalls war unsere kleine Weinparty am Abend der perfekte Abschluss für einen entspannten, aber trotzdem erlebnisreichen Tag! 

Sonntag, 23. Oktober 2016

Am Sonntag kamen wir dann auf die glorreiche Idee, mit dem Auto nach Cinque Terre zu fahren. Glorreich war die Idee insofern wirklich, als dass die fünf Dörfer an der ligurischen, felsigen Küste unfassbar schön sind. Weniger glorreich war der Teil mit dem Auto, denn die Serpentinen sind eng und steil und der Parkplatz in Monterosso ziemlich teuer. Aber gut, immerhin sind wir angekommen, und obwohl das Wetter leider ziemlich verhangen und kühl und ich ein wenig erkältet war, haben wir dank Mamas warmem, kuscheligen Ponchos, den ich mir ausgeliehen habe, einen schönen Tag gehabt. Wie gesagt begann unsere Reise in Monterosso al Mare, wo wir "lecker Mittag gegessen haben", wie Hape Kerkeling es ausdrücken würde. ;-) Danach haben wir uns für eine Bootstour entlang aller Dörfer entschieden: Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore. Theoretisch kann man bei dieser Fahrt aus- und einsteigen, wo man möchte, aber wie gesagt, das Wetter war nicht besonders schön. Deshalb haben wir uns darauf beschränkt, bis Riomaggiore durchzufahren, dort einen (abscheulich unitalienischen) Cappuccino zu trinken und dann auf der Rückfahrt die anderen Dörfer vom Wasser aus zu bewundern. Auf jeden Fall hat es mir Lust gemacht, noch einmal zurückzukommen, denn die Landschaft ist wirklich toll, das Wasser richtiggehend türkis und die Häuser auf einzigartige Weise in die felsigen Küsten hineingebaut. Zudem habe ich nachträglich von einer Freundin erzählt bekommen, dass es sehr schöne Wanderwege zwischen den Städtchen gibt - ein Vergnügen, das ich auf jeden Fall noch nachholen möchte.  

Auf dem Weg zurück nach Pisa haben wir dann in Viareggio einen Zwischenstopp eingelegt - denn Mama wollte unbedingt in ein Restaurant gehen, in dem sie letztes Jahr im Urlaub gewesen war. Und von dem sie natürlich "ganz genau" wusste, wo es sich befindet... 

Was soll ich sagen. Wir waren nicht in dem Restaurant. Stattdessen sind wir nach einer halben Stunde des Suchens nach Hause gefahren. 

Aber es hat ja tatsächlich immer alles einen Sinn im Leben. Ich hatte zunächst ein anderes Lokal in Pisa im Kopf, in das ich schon immer einmal gehen wollte. Wie es das Schicksal aber so wollte, war auch dieses geschlossen, weshalb wir ganz spontan in die kleine Pizzeria gegenüber gegangen sind - ein Volltreffer. Das Essen war richtig richtig gut und die Chefin ist eine super süße ältere Italienerin, die man einfach gern haben muss. Da das Lokal auch noch auf dem Weg zu meiner Wohnung liegt, werde ich dort in Zukunft wohl öfter mal vorbeischauen. :-) Was lernen wir daraus? Es hat immer einen Grund, wenn Dinge anders laufen als geplant! Und meistens ist es ein guter Grund... 

Es ist eine Schande, aber ich habe wirklich komplett ausgeblendet, was wir am Montag genau unternommen haben. Ich war nachmittags in der Uni und abends waren wir mal wieder Pizza essen (ja ich weiß, viel zu viel Pizza in dieser Woche). Aber ansonsten herrscht Leere in meinem Kopf... Mama, wenn du das hier liest und dich besser erinnern kannst, sag mir Bescheid! Jetzt mache ich erstmal weiter mit: 

 

Dienstag, 25. Oktober 2016

Den Dienstag haben wir der Kultur gewidmet. Wir haben uns ein Kombi-Ticket für die Piazza dei Miracoli gekauft und sind dann nach und nach durch Dom, Battistero (Taufkirche), Camposanto (Friedhof)  und Museo delle Sinopie geschlendert. Ich habe wenig Ahnung von Kirchen und Kunstgeschichte, aber die Kirchen waren auch von innen wirklich beeindruckend, und das Museum ganz interessant. Es ist nämlich so, dass durch einen Bombenanschlag im 2. Weltkrieg die Fresken, mit denen die Gänge des Camposanto verziert sind, zu einem großen Teil zerstört wurden und unter der Putzschicht, auf denen die Fresken gemalt wurden, die sogenannten "Sinopien", eine Art vorgezeichnete Skizzen für die späteren Kunstwerke, zum Vorschein kamen. Diese sind heute im gleichnamigen Museum zu finden, während die rekonstruierten Überreste der Fresken nach wie vor im Camposanto zu sehen sind. (Ich gebe zu, dass diese Erklärung nicht mein ureigenes Wissen, sondern eine Zusammenfassung meines Reiseführers und des betreffenden Wikipedia-Artikels ist.) Aber falls ihr mal dort sein solltet, wisst ihr schon vor dem Museumsbesuch Bescheid und geht nicht so wie wir völlig ahnungslos hindurch und fragt euch, was das für seltsame rote Männchen sind... 

Den Rest des Dienstags und den Mittwoch haben wir dann weiterhin entspannt in Pisa verbracht und mussten uns zudem leider noch um nervigen Erwachsenenkram kümmern. Es ging um meine Ex-Vermieterin und einen Anwalt. Die Details erspare ich euch - es ist wirklich nichts, womit man sich gerne beschäftigt. 

Dafür haben die Tage noch mehr Pizza und Cappuccino (und für mich ein paar Vorlesungen) beinhaltet und ich habe es sehr genossen, wieder ausführliche Gespräche mit meiner Mama führen zu können. Es bleibt einfach dabei, dass mich niemand so versteht und kennt wie sie.

Entsprechend traurig war es dann natürlich, als wir uns Donnerstag nach dem Frühstück verabschieden mussten. Aber Weihnachten ist ja tatsächlich schon gar nicht mehr so weit (eigentlich erschreckend, es ist schon wieder bald Weihnachten- HALLO?!) und bis dahin gibt es für mich hier noch viel zu erleben!

Damit schließe ich für heute.

Ciao!
Lia   

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Kommentare: 1
  • #1

    Helge (Montag, 07 November 2016 12:29)

    Liebe Julia,
    Deine Mission gefällt mir sehr gut - Deine Blogs natürlich auch.
    Ja, wenn die Menschen doch bitte bewusster werden und es dann schaffen, ggf. mit Unterstützung, Ihre alten Gewohnheiten zu verändern in die Richtung, das jedes einzelne Wort, jedes einzelne TUN etc. die Welt ein bisschen besser macht, ist uns Allen und unserer Existenz schon ein großes Stück geholfen.
    Es geht allerdings um das TUN in Eigeninitiative -- und nicht so nach dem Motto : ja wenn Die---dann Ich.
    Allerliebste Grüße an Dich und Alles Gute
    Helge., 7. November 2016