ItaLIA #2: Chaos und Schönheit
Die Zeit folgt hier irgendwie ihren eigenen Gesetzen, deshalb komme ich erst jetzt, wo ich schon einen Monat hier bin, wieder zum Berichten. Es klappt einfach nicht immer alles so, wie man es geplant hat.
Das musste ich auf krasse Weise gleich in meiner zweiten Woche hier in Pisa lernen. Denn, um es kurz zu machen: Ich bin aus meinem Zimmer geflogen. Einfach so. Aus einer Laune meiner Vermieterin heraus. Die ganze Sache war zu unerfreulich, um sie hier noch einmal im Ganzen wiederzugeben, aber kurz gesagt: Ich wurde rausgeworfen, auf äußerst unhöfliche Weise, und musste mir von einem Tag auf den anderen eine neue Bleibe suchen. Ohne eine sehr sehr liebe Freundin von mir, die mich für ein paar Nächte bei sich aufgenommen hat, hätte ich auf der Straße gestanden. Und so etwas passiert ausgerechnet mir, der ungefähr sicherheitsbedürftigsten Person des Planeten. Ich habe also drei Tage lang unter Höchstspannung Zimmer gesucht und meine Zeit hauptsächlich damit verbracht, nicht in Tränen auszubrechen und sofort nach Hause zu fliegen. Kein so leichtes Unterfangen.
Aber letztlich ist alles gut gegangen und ich habe ein paar Dinge gelernt:
1) Wie wichtig es ist, gute Freunde zu haben, und dass ich offensichtlich hier in Pisa wirklich eine Handvoll davon gefunden habe. Ohne die Unterstützung von meinen drei liebsten Mädels hier und natürlich all meinen Lieben von zu Hause (und aus Siena) wäre ich wahrscheinlich vollends durchgedreht. Ich bin, so kitschig das klingt, wirklich aus tiefstem Herzen dankbar!
2) Dass selbst die schlimmsten Dinge gute Folgen haben können und notwendig sind, um gute Dinge möglich zu machen. Ich hatte mir ja eigentlich sowieso gewünscht, eine schönere Wohnung zu finden (so richtig gefallen hat es mir nämlich von vorneherein nicht) und dann ist mein Wunsch plötzlich schneller in Erfüllung gegangen, als ich gucken konnte. Zwar auf die harte Tour und mit einem herben Schlag auf die Nase, aber schnell war es, das muss man dem Schicksal lassen.
3) Atmen hilft. Auch wenn es weh tut, weiter atmen, weiter machen und nicht aufgeben ist manchmal das einzige, was man tun kann. Die Atemzüge zu zählen kann helfen, nicht durchzudrehen und stark zu bleiben, auch wenn man das Gefühl hat, der Boden wird einem unter den Füßen weggezogen.
Aber lange Rede, kurzer Sinn. Ich bin in eine viel viel bessere Wohnung umgezogen, in wesentlich besserer Lage, mit zwei sehr netten Italienerinnen als Mitbewohner und ohne seltsame Vermieterin, die mir Vorschriften macht. Und ich habe Dankbarkeit gelernt! Niemand kann sich vorstellen, wie froh ich bin, hier in diesem Zimmer zu sein, obwohl der Nachttisch fast auseinander fällt und auch das Bett schon bessere Zeiten gesehen hat. Es ist mir egal, denn ich darf hier wohnen und es ist mein friedlicher Ort, von dem mich jetzt keiner mehr vertreiben kann. Dafür bin ich dankbar! Außerdem kann man von meinem Fenster aus den schiefen Turm sehen und morgens auf dem Weg zur Uni komme ich jetzt immer an dem in Morgenlicht getauchten Turm vorbei (siehe oben). So lässt es sich leben, würde ich sagen...
Der Arno macht zu einem großen Teil den Zauber von Pisa aus, wie ich finde. Das Magische an diesem Fluss ist, dass er zu jeder Tageszeit ein wenig anders aussieht und eine andere Farbnuance aufweist. Die Gelato-Partys am Arno-Ufer werden allmählich zur (wunderbaren) Angewohnheit. Vor allem am Abend mit den vielen goldgelben Lichtern und den Häusern, die sich im Wasser spiegeln, hat man das Gefühl, das italienische Lebensgefühl in vollen Zügen einatmen zu können. Obwohl gerade abends der Bär los ist und gefühlt ALLE Italiener, gestärkt von der nachmittäglichen Siesta, zur Höchstform auflaufen, strahlt der Fluss eine seltsame Ruhe aus, die mein Herz weit werden lässt. Ich verschone euch mit weiteren pseudo-poetischen Beschreibungen, aber man darf auch in Zukunft mit zahlreichen Arno-Fotografien aus allen möglichen Perspektiven und in verschiedenen Lichtverhältnissen rechnen.
Marina di Pisa
Ein weiteres Highlight Pisas ist der wunderschöne ehemalige Hafenstadtteil (ich hoffe, dass man das so ausdrücken kann). Jedenfalls kann man Marina di Pisa in weniger als einer halben Stunde mit dem Bus erreichen, und - oh mein Gott. Es ist einfach SO schön dort. Der Ort ist sehr verschlafen und - ich will ehrlich sein- relativ langweilig. Aber das Meer ist der Wahnsinn. Im Ernst. Dadurch, dass der Strand ausschließlich aus weißen Steinen besteht, ist das Meer unglaublich blau und spiegelt perfekt die Farbe des Himmels wieder. Am Tag bei gutem Wetter ist es das schönste Blau, das ich jemals gesehen habe und bei Sonnenuntergang (wir sind inzwischen schon mehrmals dort gewesen) ist es eine Mischung aus Rauchblau, Grau und weiteren Farbnuancen, die ich gar nicht benennen kann. Vor allem ist in dem kleinen Örtchen meistens nicht viel los- ein weiterer Pluspunkt. :-) Die Pizzeria "La Rustica" ist übrigens sehr zu empfehlen- bisher die allerbeste Pizza weit und breit (es gibt dort die Pizza-Sorte Cinque Formaggi - also FÜNF Sorten Käse auf nur einer Pizza. Gibt es was Besseres?!).
Foodporn and way too much Pizza...
Viareggio- Ein Tag am (Sand-) Strand
Einen Ausflug in die Stadt Viareggio, die ebenfalls direkt am Meer liegt, haben wir ebenfalls schon gemacht. Viareggio ist recht hübsch, hat den Vorteil, dass es Sandstrand gibt, aber es hat meiner Meinung nach nicht den gleichen Flair wie Marina di Pisa. Laut meinem Reiseführer sollte es ursprünglich mal der Hafen der Stadt Lucca werden. Aus irgendeinem Grund hat das aber nicht geklappt und so ist es letztlich zu der Touristenstadt geworden, die es heute ist. Leider merkt man das der Stadt eben an - dass sie nur für Touristen ausgelegt ist. Die meisten Strandabschnitte gehören zu Restaurants und Hotels und durch den Sand ist das Meer nicht ganz so schön und klar. Trotzdem war es schön, ein wenig am Strand zu liegen und zu entspannen und anschließend eine kleinen Abstecher in den Laden "OVS" zu machen, wo ich ein paar coole Klamotten abgestaubt habe.
So viel dazu. Dieser Post war recht "strandlastig", aber ich denke, das darf auch mal sein. Ich gebe mir alle Mühe, in Zukunft regelmäßiger Bericht zu erstatten, aber ich denke, allmählich bekommt mein Leben wieder so etwas wie eine Alltagsstruktur, die das möglich macht. Aber ich warne euch: Es kann sein, dass ich bei dem Literaturkurs, den ich hier belege, bald nur noch über Dante und die Divina Commedia schreibe - zur Zeit mein täglich Brot sozusagen.
Bleibt gespannt!
Lia








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Brigitte Leitherer (Dienstag, 18 Oktober 2016 09:42)
Das macht Lust auf Meer!!! Ich freue mich bald bei Dir zu sein.